Chinas Börsen in Rallye-Stimmung: Krise schon wieder vorbei?

Die Verkaufspanik an den chinesischen Börsen scheint so schnell wieder vorbei zu seien, wie sie gekommen war. Seit Mitte Juni hatte beispielsweise der CSI 300 Index knapp ein Drittel seiner Marktkapitalisierung verloren, allein seit Anfang Juli rund 8%. Die chinesische Regierung versuchte massiv gegenzusteuern, doch das brauchte seine Zeit. Doch der Erfolg ist nun seit gestern deutlich sichtbar.

 

© Pixabay
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Der Absturz der letzten Wochen an der chinesischen Börse hatte mehrere Ursachen. Ganz oben auf der Agenda steht natürlich das Fragezeichen hinter dem zukünftigen Wachstum der Volksrepublik, das derzeit deutlich in den Prognosen redimensioniert wird.

 

Hatte sich das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Quartalen schon sichtbar abgekühlt, gehen die Prognosen für die nächsten Jahre davon aus, dass es zu weiteren Abkühlungen kommt. So wird für die Jahre 2016 bis 2020 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 7% angenommen (Quelle: Statista), während das BIP-Wachstum per annum zwischen 2026 und 2030 nur noch bei durchschnittlich 5% legen soll.


source: tradingeconomics.com

 

China auf dem Weg zur entwickelten Industrienation

Grundsätzlich ein normaler Vorgang, der auch schon allein durch die jeweilige Erhöhung der wirtschaftlichen Basis erklärbar ist. Dennoch vorerst eine erschreckende Vision für viele Investoren, da China bislang weltweit als Selbstläufer galt. Letztlich muss man erkennen: China kommt aus seinem Status des Schwellenlandes immer weiter heraus und wird zum „normalen“ Industriestaat, der eben nicht mehr solch hohe Wachstumsraten erwirtschaften kann.

Diesen Übergang muss die Regierung nun managen, um Verzerrungen in der Realwirtschaft und am Kapitalmarkt zu vermeiden. Dabei kann sie aber bislang nur punktuell agieren, zumal sie selbst mit der neuen Situation noch nicht vertraut ist. Kein Wunder, dass zu den aktuellen Maßnahmen staatliche Ermittlungen gegen Leerverkäufe gehören, die als „heimtückische Manöver“ bezeichnet werden.

 

Neue Maßnahmen gegen überbordende Panik und Spekulation

Dennoch: Im Großen und Ganzen hat sich China recht wirkungsvoll gegen die jüngste Panik gestemmt und nun zumindest eine kurzzeitige Stabilisierung bzw. Erholung erreicht. Wobei zwei weitere Maßnahmen halfen. Zum einen wurden Hunderte von Unternehmen vom Handle ausgesetzt, da deren Marktenge dazu geführt hatte, dass hier absolute Preisverwerfungen passiert wären, die in vielen Fällen wohl auch den Unternehmen selbst geschadet hätten.

Zum anderen wird das Thema schuldenbasierte Aktieninvestments neu definiert. In den früheren Jahren waren kreditfinanzierte Aktienkäufe keine Seltenheit. Noch im Februar lag der Anteil kreditfinanzierte Käufe am täglichen Gesamt-Handelsumsatz bei fast 20%. Doch neu eingeführte höhere Sicherheitsanforderungen haben dieser Schieflage ein jähes Ende bereitet. So fiel in dieser Woche der Anteil der kreditfinanzierten Käufe auf nur noch gut 5% ab.

Davor standen natürlich großvolumige Positions-Liquidierungen, weil die Kreditgeber die Anleger dazu aufforderten. Laut Branchenexperten wurden rund 20 bis 30% der kreditfinanzierten Portfolios wegen der neuen Einschränkungen liquidiert. Das erklärt auch die zeitwiese Panik im Markt.

 

Wichtige Chart-Unterstützung hat gehalten

Doch unter dem Strich ist dies ein wichtiger Schritt, um den Kapitalmarkt widerstandsfähiger zu machen. Was ja auch gestern und heute bereits mit kräftigen Kursschüben nach oben belohnt wird. Hinzu kommt, dass nach dem vorangegangenen Sell-off auch die Charttechnik Unterstützung lieferte. Denn beim CSI 300 hielt die 200-Tage-Linie, die den langfristigen Trend angibt. Ähnliches konnte auch in anderen Indizes beobachtet werden.

China-CSI300-10-07-15

Wie weit die aktuelle Erholung laufen kann, bleibt abzuwarten. Für den CSI 300 rechnen wir hier mit einem vorläufigen Erholungspotenzial bis 4.400 / 4.600 Punkte. Danach sollte es erst einmal eine Konsolidierungsphase geben. Einzelne Werte haben natürlich mehr Potenzial, wobei wir insbesondere eCommerce- und Internetwerte wie Alibaba und Tencent im Blick haben.

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