Circus Aktie: 52-Wochen-Hoch bei 23,50 Euro

Die Circus-Aktie verliert massiv an Wert, während Analysten über die künftige Ausrichtung als Roboter- oder Softwarefirma uneins sind.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert über 20 Prozent in einer Woche
  • Analysten streiten über Kursziele zwischen 10 und 46 Euro
  • Operative Fortschritte bei Systemverfügbarkeit und Produktion
  • Quartalsbericht im Juni als entscheidender Test

Die Circus-Aktie erlebt eine Talfahrt. Am Donnerstag notierte der Titel bei 6,11 Euro – ein Minus von 6,3 Prozent an einem Tag. Auf Wochensicht summieren sich die Verluste auf über 20 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 23,50 Euro hat das Papier rund drei Viertel an Wert eingebüßt. Der RSI von 24,7 Punkten signalisiert eine technische Überverkauftheit.

Dahinter steckt kein Firmenskandal, sondern eine strategische Grundsatzfrage. Wird Circus ein reiner Roboterhersteller bleiben oder gelingt der Wandel zum Softwareanbieter? Die Antwort darauf entscheidet über die künftige Bewertung – und spaltet die Analysten.

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Zwei Kursziele, eine These

Beide Analysehäuser, die Circus abdecken, raten zum Kaufen. Die Kursziele könnten unterschiedlicher kaum sein: Montega sieht faire 10 Euro, mwb research dagegen 46 Euro. Die Spanne ist ungewöhnlich groß und resultiert aus gegensätzlichen Annahmen zur Skalierung.

Montega erwartet für 2026 einen Umsatz von 44,2 Millionen Euro. Getragen durch Hardware-Auslieferungen und erste Softwareerlöse ab der zweiten Jahreshälfte. Bis 2028 soll der Umsatz auf knapp 140 Millionen Euro steigen – bei rund 350 ausgelieferten CA-1-Einheiten und einem Softwaregeschäft von über 50 Millionen Euro. Den operativen Break-even sieht Montega ab 2027.

Das 46-Euro-Kursziel von mwb research setzt dagegen auf eine schnellere Monetarisierung des Betriebssystems CircusOS. Es unterstellt, dass die Plattformstrategie deutlich früher greift und wesentlich höhere Multiplikatoren rechtfertigt als reine Hardwareverkäufe.

Fortschritte, aber keine Durchbrüche

Operativ verbessert sich Circus: Die Systemverfügbarkeit des CA-1 stieg von rund 70 auf über 92 Prozent – oberhalb der vertraglich geforderten Mindestgrenze von 85 Prozent. Der tägliche Wartungsaufwand sank auf 1,5 Stunden. Die Produktion läuft hoch: Nach 16 Einheiten im ersten Quartal soll die Kapazität bis zum Jahresende auf 64 Einheiten pro Monat steigen.

Im Verteidigungssektor gewinnt Circus an Boden. Integration bei der Bundeswehr, ein Auftrag der litauischen Streitkräfte, Gespräche mit über zehn NATO-Mitgliedstaaten. Gleichzeitig fehlen verbindliche Folgeaufträge aus bestehenden Pilotprojekten. Die Lücke zwischen Vorbestellungen und zahlungswirksamen Aufträgen bleibt das zentrale Problem.

Ein neues Leasingmodell ab 4.000 Euro monatlich soll die Konversionsrate erhöhen. Partner sind MMV Leasing (Tochter der LBBW) und Siemens Financial Services. Das Unternehmen erhofft sich eine Verkürzung der Verkaufszyklen um bis zu 70 Prozent.

Q1 als Stresstest

Der Quartalsbericht im Juni wird zum Lackmustest für die Bewertungsdebatte. Entscheidend sind Vertragsumwandlungen, der Produktionshochlauf und erste substantielle Umsatzbeiträge aus Software. Legt Circus konkrete Fortschritte vor, bekommt die Wachstumsstory Substanz. Fehlen belastbare Belege, bleibt der Abstand zwischen ambitionierter Prognose und Börsenrealität groß. Der Bericht wird die Richtung für die kommenden Wochen bestimmen.

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