Circus Aktie: Baader senkt Kursziel auf 3,00 Euro
Baader Bank kappt das Kursziel für Circus SE um 84 Prozent auf 3 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Die Aktie verliert weiter an Wert.

- Kursziel um 84 Prozent gesenkt
- Buy-Rating bleibt trotzdem bestehen
- Umsatzprognose drastisch reduziert
- Hauptversammlung am 20. August
Die Baader Bank hat am Donnerstag ihr Kursziel für die Aktie der Circus SE von 19,00 Euro auf 3,00 Euro gesenkt – ein Abschlag von 84 Prozent. Analyst Volker Bosse begründet den massiven Schnitt mit der drastischen Rücknahme der Wachstumsziele des Robotik-Unternehmens. Trotz des Einbruchs beim Kursziel belässt Bosse seine Einstufung auf „Buy“.
Der Bewertungsschnitt kommt nicht überraschend. Circus hatte bereits am 16. Juli in einer Ad-hoc-Mitteilung die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 5,2 Millionen Euro gekappt – zuvor waren 44 bis 55 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Parallel korrigierte das Unternehmen die EBITDA-Erwartung auf rund minus 17 Millionen Euro. Als Ursache nannte Circus die strategische Verschiebung von Systemauslieferungen ins Jahr 2027. Berichten zufolge reduziert das Unternehmen zudem sein Ausbauziel für autonome Küchenroboter im laufenden Jahr von ursprünglich 300 auf nunmehr nur noch 50 Einheiten.
Vom Fehlbetrag zur Neuausrichtung
Der bereits Ende Juni veröffentlichte, testierte Geschäftsbericht 2025 zeigt das Ausmaß der Herausforderung: Bei einem Umsatz von lediglich 1,5 Millionen Euro verbuchte Circus einen Jahresfehlbetrag von rund 22 Millionen Euro. Um die Finanztransparenz zu schärfen und die operative Skalierung voranzutreiben, berief das Unternehmen Anfang Juli einen neuen Co-CEO und CFO mit Hintergrund in der Luftfahrt- und Automobilbranche.
Operativ bemüht sich Circus um Diversifikation. Anfang Juli schloss das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Spezialisten Alberts ab, zuvor hatte es die regulatorische ECAS-Zertifizierung für den Betrieb autonomer Robotik-Systeme in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten. Im Verteidigungssektor meldete Circus zudem den operativen Einsatzbeginn autonomer Versorgungssysteme bei ukrainischen Bodentruppen. Ob diese neuen Standbeine die Umsatzlücke im Kerngeschäft mittelfristig schließen können, bleibt angesichts der gekappten Auslieferungsziele offen.
Ein Signal aus dem Unternehmen selbst datiert auf den 17. Juli: Eine Führungsperson kaufte nach dem massiven Kurssturz Aktien im Umfang von 15.333,90 Euro – ein historischer Vorgang, der zumindest ein gewisses Vertrauen des Managements in die eigene Neuausrichtung andeutet.
Hauptversammlung als nächster Prüfstein
Am 20. August steht die ordentliche, virtuell abgehaltene Hauptversammlung an. Anleger erwarten dort Erklärungen zum jüngsten Prognosekollaps und zur Neuausrichtung der sogenannten „Unit Economics“ – also der Frage, wie profitabel einzelne Systeminstallationen künftig überhaupt sein können. Nach der Serie negativer Meldungen dürfte die Hauptversammlung zum zentralen Termin werden, an dem sich zeigt, ob das Management einen glaubwürdigen Weg aus der Krise aufzeigen kann.
Kurs spiegelt die Verunsicherung
Die Aktie reagierte auf die Nachrichtenlage mit einem weiteren Rückschlag: Am Donnerstag schloss das Papier bei 1,65 Euro, ein Minus von 6,48 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kursverlust von 66,95 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Tragweite der Prognosekorrekturen unterstreicht. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt inzwischen bei lediglich 48,74 Millionen Euro.
Für Anleger bleibt die Lage schwierig einzuordnen: Ein Analyst hält trotz eines um 84 Prozent gekappten Kursziels an einer Kaufempfehlung fest, während operative Zahlen und Kursverlauf eine tiefe Vertrauenskrise widerspiegeln. Die Hauptversammlung am 20. August dürfte zeigen, ob Circus die Wende zu tragfähigeren Geschäftsstrukturen tatsächlich einleiten kann.
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