Circus Aktie: Bosse senkt Kursziel um 84 Prozent
Circus bestätigt negatives EBITDA von 17 Mio. Euro; Analyst senkt Kursziel drastisch, hält aber an Kaufempfehlung fest. Aktie verlor 64%.

- Negatives EBITDA von 17 Mio. Euro bestätigt
- Kursziel um 84 Prozent reduziert
- Umsatzprognose massiv auf 5,2 Mio. Euro gesenkt
- Aktie verliert binnen 30 Tagen 64,52 Prozent
Der Kurssturz bei Circus reißt nicht ab. Am Mittwoch bestätigte das Unternehmen im Vorfeld seiner Quartalszahlen ein erwartetes negatives EBITDA von rund 17 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr 2026 – eine Nachricht, die Analyst Volker Bosse von der Baader Bank umgehend zu einer drastischen Reaktion veranlasste. Er senkte sein Kursziel für die Aktie um rund 84 Prozent, das Rating „Buy“ beließ er dennoch unverändert. Grund war laut Bosse die massiv gekürzte Wachstumsplanung des Unternehmens.
Vom Wachstumsversprechen zum Rückzug
Die Kurszielsenkung ist die jüngste Episode in einer Kette von Hiobsbotschaften, die sich seit Mitte Juli häufen. Bereits am 16. Juli hatte Circus per Ad-hoc-Mitteilung seine Umsatzprognose für 2026 von ursprünglich 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro gesenkt. Als Begründung nannte das Unternehmen die Verschiebung von Systemauslieferungen auf 2027, um die Wirtschaftlichkeit pro System – die sogenannten Unit Economics – stärker in den Vordergrund zu rücken. Wenige Tage später, am 2. August, wurde bekannt, dass Circus sein Ausbauziel für autonome Küchenroboter im laufenden Jahr von 300 auf lediglich 50 Einheiten zurückgefahren hat. Die Kombination aus eingedampfter Umsatzbasis, verschobenen Auslieferungen und einem tiefroten EBITDA zeichnet das Bild eines Unternehmens, das seine ursprüngliche Wachstumsstory grundlegend revidiert.
Dass Bosse trotz der radikalen Zielkürzung an seiner Kaufempfehlung festhält, deutet darauf hin, dass er die operative Neuausrichtung als notwendigen, aber nicht fundamental geschäftsschädigenden Schritt bewertet. Für Anleger bleibt die Diskrepanz zwischen einem unveränderten „Buy“ und einem um 84 Prozent gekappten Kursziel dennoch bemerkenswert.
Kurs im freien Fall, Bewertung am Boden
An der Börse zeigt sich das Ausmaß der Neubewertung deutlich: Binnen 30 Tagen hat die Aktie 64,52 Prozent an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei 48,74 Millionen Euro. Am heutigen Donnerstag notiert das Papier bei 1,79 Euro und damit 1,59 Prozent im Plus gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 1,76 Euro – ein kleiner Erholungsversuch nach dem massiven Ausverkauf der vergangenen Wochen. Der RSI von 17,9 signalisiert eine stark überverkaufte Aktie, was kurzfristige technische Gegenbewegungen begünstigen kann, ohne dass dies etwas über die fundamentale Lage aussagt.
Lichtblicke im operativen Geschäft
Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen waren negativ. Anfang Juli schloss Circus die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Spezialisten Alberts ab, mit der das Unternehmen sein technologisches Ökosystem erweitern will. Am 1. Juli erhielt die Gesellschaft zudem die ECAS-Zertifizierung für den kommerziellen Rollout ihrer CA-1-Systeme in den Vereinigten Arabischen Emiraten – ein regulatorischer Meilenstein für die internationale Expansion. Auch aus dem eigenen Vorstand kam ein Signal des Vertrauens: Verwaltungsratsmitglied Dr. Jan-Christian Heins erwarb am 20. Juli eigene Aktien des Unternehmens.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die kommenden Termine. Am 20. August findet die virtuelle ordentliche Hauptversammlung statt, am 2. September folgen die Finanzergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Bereits Mitte September, am 21. September, tritt Circus auf der Baader Investment Conference in München auf – eine Gelegenheit, das Vertrauen der Investmentcommunity zurückzugewinnen.
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