Circus Aktie: mwb und Montega 36 Euro auseinander
Zwei Kaufempfehlungen, aber Kursziele klaffen um 36 Euro auseinander. Der Aktienkurs liegt deutlich unter beiden Prognosen.

- Kursziele zwischen 10 und 46 Euro
- Umsatzprognosen für 2026 nahe beieinander
- Produktionshochlauf des CA-1 beschleunigt
- Aktie seit Jahresbeginn stark gefallen
Zwei Analysten, beide mit Kaufempfehlung — und dennoch liegen ihre Kursziele 36 Euro auseinander. Bei Circus SE trifft eine optimistische Plattformwette auf nüchterne Vertragslage. Der aktuelle Kurs von 6,36 Euro liegt weit unterhalb beider Ziele.
Dieselbe Aktie, völlig andere Rechnung
mwb research hält an einem Kursziel von 46 Euro fest. Die Begründung: CircusOS, das proprietäre Betriebssystem, rechtfertige Tech-Multiplikatoren, sobald die Monetarisierung greife. Montega startet die Coverage mit 10 Euro — und knüpft dieses Ziel explizit an den planmäßigen Produktionshochlauf. Den operativen Break-even erwartet Montega erst 2027.
Der Unterschied liegt nicht im Geschäftsmodell. Er liegt in einer einzigen Annahme: Wie schnell zahlt CircusOS?
Beim Umsatz für 2026 liegen beide Häuser näher beieinander. Montega erwartet 44,2 Millionen Euro, das Management selbst peilt bis zu 55 Millionen Euro an. Für 2028 modelliert Montega knapp 140 Millionen Euro — getragen durch Hardware-Skalierung und ein Softwaregeschäft, das dann über 50 Millionen Euro erreichen soll.
Vorläufige Zahlen, offene Fragen
Die Geschäftszahlen für 2025 sind noch nicht testiert. Der Umsatz stieg auf rund 1,5 Millionen Euro — von 0,25 Millionen im Vorjahr. Das klingt wenig, ist aber erklärbar: Systemauslieferungen begannen erst im vierten Quartal 2025. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 15,3 Millionen Euro, das unbereinigte bei minus 18,5 Millionen Euro — besser als die Analystenerwartung von minus 21 Millionen Euro.
Bereinigt wurden Einmalkosten aus Akquisitionen und Kapitalerhöhungen von insgesamt 3,2 Millionen Euro. Der testierte Geschäftsbericht erscheint spätestens Ende Juni. Er zeigt erstmals, ob diese Kosten wirklich einmalig waren.
Piloten ohne Verträge
Das Management verweist auf über 8.000 Vorbestellungen mit einem theoretischen Potenzial von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Gesichert sind bislang 500 Bestellungen bei rund 40 Kunden.
Hinter den prominenten Piloten — Bundeswehr, REWE Düsseldorf, Mercedes-Benz Gastronomie in Sindelfingen — stehen meist noch keine festen Lieferverträge. REWE entscheidet erst im Herbst über einen breiten Rollout. Mercedes plant den Einsatz in Sindelfingen für Sommer 2026.
Im Verteidigungsbereich nutzen die litauischen Streitkräfte das System bereits an der NATO-Ostflanke. Circus Defence erwartet einen größeren Militärauftrag im zweiten Halbjahr. Über zehn NATO-Staaten führen aktive Gespräche.
Produktion läuft, Börse zweifelt
In Partnerschaft mit Celestica halbierte Circus die Fertigungszeit des CA-1 von acht auf vier Wochen. Nach 16 Einheiten in Q1 soll die Kapazität in Q2 und Q3 jeweils verdoppelt werden. Im vierten Quartal plant Circus 64 Einheiten pro Monat — genug für den modellierten Jahresbedarf von 205 Einheiten.
Die Börse zeigt sich davon unbeeindruckt. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn fast 47 Prozent und notiert rund 73 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 23,50 Euro. Kein Wunder, dass die Kursziele beider Analysten — selbst das konservative — weit über dem aktuellen Kurs liegen.
Am 16. Juli folgt ein Quarterly Update Call. Bis dahin muss der testierte Geschäftsbericht vorliegen — und erste Zahlen aus dem laufenden Quartal werden zeigen, ob die Militäraufträge und der Produktionshochlauf bereits in messbaren Umsätzen ankommen.
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