Circus Aktie: RSI 19,1 signalisiert Überverkauf
Circus-Aktie stabilisiert sich nach Rekordtief, doch Analysten sehen trotz Geschäftsumbau und neuem CFO weiterhin erhebliche Risiken.

- Kurserholung nach Jahrestief
- Umsatzprognose massiv gesenkt
- Geschäftsmodell wird umgestellt
- Analysten stufen Aktie herab
Die Aktie der Circus SE hat am Freitag ihren freien Fall vorerst gestoppt. Nach einem neuen Zwölf-Monats-Tief bei 1,72 Euro Ende Juli schloss das Papier zuletzt bei 1,77 Euro – ein Plus von 4,00 Prozent. Der Erholungsversuch fällt in eine Phase extremer Nervosität: Der 14-Tage-RSI notiert bei 19,1 und signalisiert eine stark überverkaufte Aktie. Ob daraus eine nachhaltige Gegenbewegung wird, bleibt offen. Die fundamentalen Probleme des Unternehmens sind ungelöst.
Neues Jahrestief nach Wochen im Sinkflug
Medienberichten zufolge markierte die Circus-Aktie am 30. Juli mit 1,72 Euro bereits den dritten neuen Zwölf-Monats-Tiefststand innerhalb weniger Wochen, nach vergleichbaren Marken schon am 18. und 23. Juli. Der Abwärtstrend geht auf eine Ad-hoc-Meldung vom 16. Juli zurück, die den Kurs regelrecht einbrechen ließ. Circus kappte darin die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 drastisch: Statt der im November 2025 in Aussicht gestellten 44 bis 55 Millionen Euro erwartet der Kochroboter-Hersteller nun lediglich 5,2 Millionen Euro Umsatz, nach 1,6 Millionen Euro im Vorjahr. Noch schwerer wiegt der Ausblick auf das operative Ergebnis: Statt eines Verlusts von 6 bis 8 Millionen Euro rechnet das Management inzwischen mit einem EBITDA von rund minus 17 Millionen Euro.
Als Grund nannte Circus, dass Aufwand und Kosten für Onboarding, Integration und laufenden Service je ausgeliefertem System nicht wie geplant mit der Wirtschaftlichkeit der Systeme mitgewachsen seien. Geplante Systemauslieferungen verschiebt das Unternehmen ins Geschäftsjahr 2027.
Geschäftsmodell unter Druck
Um die operativen Engpässe zu kompensieren, krempelt Circus sein Geschäftsmodell um. Statt loser Zutaten vom Großhändler sollen die Kochroboter künftig ausschließlich mit hauseigenen, vorportionierten Kapseln – den „Circus Pods“ – betrieben werden. Ab August wird deren Nutzung für alle Kunden verpflichtend. Aus einem Hardwaregeschäft mit Rückvergütungen von 2 bis 4 Prozent soll so ein Zutatengeschäft mit Bruttomargen von 45 bis 50 Prozent werden. Wie dringend der Umbau nötig ist, zeigen die Auslieferungszahlen: Laut Unternehmensangaben im Q2-Call sind aktuell 25 Systeme an 15 Kunden im Einsatz, bis Jahresende sollen es 50 werden – deutlich weniger als die ursprünglich geplanten knapp 200 Systeme.
Führungswechsel und erster Kriegseinsatz
Parallel zur Krise baut Circus die Führungsspitze um. Seit dem 6. Juli fungiert Christian Bauer, zuvor mehr als zwanzig Jahre in der Automobil- und Luftfahrtindustrie tätig und zuletzt CFO beim Flugtaxi-Unternehmen Volocopter, als neuer CFO und Co-CEO. Der bisherige Co-CEO Fabian Becker wechselt in den Aufsichtsrat der Rüstungstochter Circus Defence, Mitgründer Claus Holst Gydesen übernimmt ein Beiratsmandat. Kurz darauf, am 20. Juli, meldete Vorstandsmitglied Dr. Jan-Christian Heins gemäß den Vorschriften für Directors’ Dealings einen Aktienkauf.
Auf der operativen Seite verzeichnete Circus im Juli einen bemerkenswerten Fortschritt: Das autonome Verpflegungssystem CA-M nahm den Live-Betrieb bei der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew auf – nach Unternehmensangaben der weltweit erste Einsatz robotergestützter Truppenverpflegung in einem aktiven Kriegsgebiet.
Analysten reagieren mit deutlichen Abstufungen
Die Prognosekürzung zog scharfe Reaktionen der Analysten nach sich. Montega-Analyst Bastian Brach stufte die Aktie am 20. Juli von Kaufen auf Halten zurück und senkte das Kursziel von 10,00 auf 2,20 Euro auf Sicht von zwölf Monaten. Als Begründung verwies er auf die erwarteten negativen operativen Ergebnisse und Cashflows bis 2030, aus denen sich zusätzlicher Finanzierungsbedarf ergebe, den das Unternehmen in den kommenden Quartalen adressieren müsse. Bereits am 16. Juli hatte mwb-research-Analyst Oliver Wojahn sein Kursziel von 46 auf 8,40 Euro gekappt und die Empfehlung von einer regulären auf eine spekulative Kaufempfehlung herabgestuft.
Für das Geschäftsjahr 2025 weist Circus einen Umsatz von 1,56 Millionen Euro aus, ein Plus von 521,51 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dem allerdings ein Betriebsverlust von 23,24 Millionen Euro gegenübersteht.
Die nächste Gelegenheit für Anleger, Antworten vom Management zu bekommen, bietet die ordentliche Hauptversammlung, die als virtuelle Veranstaltung am Donnerstag, 20. August, um 9:00 Uhr MESZ stattfindet. Stellungnahmen zur Tagesordnung können bis Mitternacht am 14. August elektronisch eingereicht werden und sollen spätestens am 15. August im Aktionärsportal veröffentlicht werden.
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