Circus Aktie: Umsatzprognose auf 5,2 Millionen Euro gekürzt

Circus SE kämpft nach drastischer Umsatzsenkung mit Kursverfall, Analysten sind uneins, Insider kauft Aktien.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzprognose massiv gesenkt
  • Analysten streiten über Einstufung
  • Insider kauft Aktien trotz Kursrutsch
  • Operative Weichen für 2027 gestellt

Die Circus SE kämpft weiterhin mit den Folgen der drastischen Prognosekürzung vom 16. Juli. Damals hatte das Unternehmen per Ad-hoc-Mitteilung seine Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2026 von ursprünglich 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro gesenkt. Auch das erwartete EBITDA fällt deutlich schlechter aus als gedacht: Statt eines Verlusts von 6 bis 8 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun mit rund -17 Millionen Euro. Als Grund nannte das Unternehmen die strategische Entscheidung, Systemauslieferungen ins Jahr 2027 zu verschieben, um die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Einheiten zu verbessern.

Die Aktie leidet bis heute unter dieser Zäsur. Der Schlusskurs lag am Dienstag bei 1,83 Euro, binnen 30 Tagen hat das Papier 64,81 Prozent an Wert verloren. Der RSI von 17,5 signalisiert einen stark überverkauften Zustand – ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck der vergangenen Wochen den Kurs technisch weit von seinem Mittelwert entfernt hat.

Analysten mit gegensätzlichen Signalen

Die Reaktionen der Finanzanalysten fielen unterschiedlich aus. Der Analyst von mwb research stufte die Aktie am 25. Juli von „Buy“ auf „Speculative Buy“ herab und kappte das Kursziel von 46,00 Euro auf 8,40 Euro – eine deutliche Reaktion auf die operativen Verzögerungen. Wenige Tage später, am 29. Juli, zog die Baader Bank nach und senkte ihr Kursziel um rund 84 Prozent, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Dass ein Haus trotz der massiven Zielkorrektur an der Kaufempfehlung festhält, während ein anderes die Risikoeinstufung verschärft, zeigt: Unter den Analysten besteht keine Einigkeit darüber, wie belastbar das Geschäftsmodell nach der Verschiebung der Auslieferungen tatsächlich ist.

Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die Bandbreite der Einschätzungen bleibt groß, und die extreme Kursvolatilität der vergangenen Wochen – die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei rund 150 Prozent – spiegelt diese Unsicherheit wider.

Insider kauft, Geschäft läuft operativ weiter

Ein Signal aus dem eigenen Unternehmen sorgte zwischenzeitlich für Aufmerksamkeit: Der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Jan-Christian Heins erwarb am 20. Juli 5.003 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 2,15 Euro. Solche Käufe aus den eigenen Reihen gelten oft als Vertrauensbeweis, auch wenn sie den fundamentalen Kursverfall nicht aufhalten konnten – der aktuelle Kurs liegt inzwischen unter dem Einstiegsniveau des Firmenchefs.

Operativ hat Circus im Juli mehrere Weichen gestellt. Am 16. Juli meldete das Unternehmen den Betriebsstart seiner autonomen Verpflegungssysteme zur Versorgung ukrainischer Bodentruppen. Am selben Tag wurde die Führungsstruktur neu geordnet: Christian Bauer übernahm die Position als neuer Co-CEO und CFO, während der bisherige Finanzchef Fabian Becker in den Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft Circus Defence SE wechselte. Bereits Anfang Juli hatte das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Spezialisten Alberts abgeschlossen.

Fazit für Anleger

Die Kombination aus operativer Neuausrichtung, personellen Umbauten und einer Zukäufe-Strategie zeigt, dass Circus trotz der Prognosekürzung an seinem langfristigen Wachstumskurs festhält. Kurzfristig bleibt die Aktie jedoch ein Hochrisikopapier: Die extreme Volatilität, der überverkaufte technische Zustand und die gespaltenen Analystenmeinungen machen deutlich, dass der Markt die Tragweite der Verschiebung ins Jahr 2027 noch nicht eingepreist hat. Bei einer Marktkapitalisierung von 44,63 Millionen Euro bewertet die Börse das Unternehmen inzwischen deutlich unter dem Niveau vor der Prognosekürzung.

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