Cloudflare Aktie: Doppelschlag am Dienstag
Cloudflare erweitert sein Infrastrukturgeschäft durch die Kooperation mit der Deutschen Telekom und plant eigene Zertifikate mit Post-Quanten-Schutz.

- T-Systems nimmt Cloudflare-Lösungen ins Angebot
- Telekom-Kooperation erschließt europäische Kundenbeziehungen
- Cloudflare plant eigene Zertifizierungsstelle
- MTC-Zertifikate für 2027 vorgesehen
Zwei Ankündigungen an einem Tag: Cloudflare baut seine Rolle als Infrastruktur-Wächter des Internets gleich auf zwei Ebenen aus. Zum einen mit einer strategischen Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, zum anderen mit dem Vorstoß in ein völlig neues Geschäftsfeld — die eigene Zertifizierungsstelle.
Telekom öffnet Cloudflare den europäischen Markt
Deutsche Telekom und Cloudflare verknüpfen künftig ihre Netzwerke direkt miteinander. Für Cloudflare bedeutet das Zugang zum Vertriebs- und Servicenetz eines der größten europäischen Telekommunikationskonzerne. Die Tochter T-Systems nimmt Cloudflares Sicherheits- und Konnektivitätslösungen ins Portfolio auf und schult eigenes Personal für Beratung, Implementierung und laufenden Betrieb.
Für Cloudflare ist das strategisch wertvoll: Statt selbst europaweit Enterprise-Kunden akquirieren zu müssen, nutzt das Unternehmen die etablierten Kundenbeziehungen der Telekom. Beide Seiten sprechen zudem von gemeinsamen Ansätzen zur digitalen Souveränität und von Post-Quanten-Kryptografie als Zukunftsthema — ein Stichwort, das sich an diesem Tag noch an anderer Stelle wiederfindet.
Eigene Zertifizierungsstelle für die Post-Quanten-Ära
Parallel dazu kündigte Cloudflare an, selbst zur öffentlichen Zertifizierungsstelle (Certificate Authority) zu werden. Das Unternehmen will damit künftig die digitalen Zertifikate ausstellen, die Webseiten für verschlüsselte Verbindungen benötigen — ein Markt, der bislang von wenigen etablierten Anbietern dominiert wird.
Um die neuen Zertifikate sofort auf breiter Front kompatibel zu machen, hat Cloudflare vereinbart, Root-CA-Schlüsselmaterial von GlobalSign zu übernehmen. Der Abschluss dieser Übernahme wird für die kommenden zwei Monate erwartet und steht unter den üblichen Vollzugsbedingungen. Zusätzlich hat Cloudflare Anträge auf Aufnahme in die Root-Programme von Chrome, Apple, Microsoft und Mozilla gestellt.
Kern der Initiative sind sogenannte Merkle Tree Certificates — ein neues Zertifikatsformat, das laut Unternehmen auf Post-Quanten-Sicherheit ausgelegt ist, ohne die Geschwindigkeit klassischer Verschlüsselung zu opfern. Klassische Zertifikate sollen ausgestellt werden, sobald die Root-Programm-Anträge abgeschlossen sind. Die produktive Ausgabe der neuen MTC-Zertifikate ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Cloudflare positioniert sich damit als Anbieter, der Verschlüsselungsinfrastruktur für die Zeit nach dem Durchbruch leistungsfähiger Quantencomputer vorbereitet — ein Thema, das in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen dürfte, sobald heutige Verschlüsselungsstandards angreifbar werden.
Zusammen mit der Telekom-Partnerschaft zeigt der Tag ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell von der reinen Absicherung von Webseiten hin zu grundlegender Internet-Infrastruktur erweitert.
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