Coherent Aktie: Cashflow-Schock!

Coherent steigert Umsatz und bereinigten Gewinn, während Investitionen und Lageraufbau den freien Cashflow im ersten Quartal belasten.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt im Jahresvergleich um 49,9 Prozent
  • Freier Cashflow bei minus 868,2 Millionen US-Dollar
  • Lagerbestand wächst gegenüber Juni um 29,5 Prozent
  • PhotonLink-Erlöse ab Anfang 2028 erwartet

Coherents heute veröffentlichte Quartalszahlen zeigen die Kehrseite des KI-Wachstums: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 standen Investitionsausgaben von 775,5 Mio. US-Dollar einem negativen freien Cashflow von 868,2 Mio. US-Dollar gegenüber. Umsatz und bereinigter Gewinn übertrafen zwar die Erwartungen. Der Kapazitätsausbau bindet jedoch erhebliche Mittel.

Für Anleger rückt damit neben der Nachfrage die Finanzierung des Wachstums in den Mittelpunkt. Starke Auftragsperspektiven und höhere Ergebnisziele gehen derzeit nicht mit einem positiven freien Mittelzufluss einher. Die Aktie verliert heute -10% und spiegelt damit keine Entspannung nach den Geschäftszahlen wider.

Rechenzentrumsgeschäft treibt das Ergebnis

Zum Geschäftsjahresauftakt erzielte Coherent einen Umsatz von 2,37 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um 49,9% gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 2,09 US-Dollar und lag ebenfalls über den Analystenschätzungen.

Die Nachfrage aus KI-Rechenzentren trägt die Expansion. Gleichzeitig entwickelt sich das Industriegeschäft schwächer. Der Konzern wächst damit nicht gleichmäßig über seine Geschäftsbereiche hinweg.

Datacenter & Communications erwirtschaftete 1,95 Mrd. US-Dollar Umsatz und wuchs gegenüber dem Vorjahr um 79%. Im Industriegeschäft sank der Umsatz um 14,8%, wobei Veräußerungen den Vergleich beeinflussten.

Das Wachstum schlägt sich auch in der Profitabilität nieder. Höhere bereinigte Gewinne allein bilden die finanzielle Belastung des Ausbaus allerdings nicht ab: Dafür ist entscheidend, wie viel Geld nach laufendem Geschäft und Investitionen übrig bleibt.

Mittelabfluss und Lageraufbau belasten

Bereits der operative Cashflow war mit −92,7 Mio. US-Dollar negativ. Zugleich erreichte der Lagerbestand 3.341,4 Mio. US-Dollar und lag damit 29,5% über dem Stand vom Juni.

Coherent muss somit nicht nur zusätzliche Kapazitäten finanzieren. Auch der Lageraufbau bindet Kapital. Für die Beurteilung der Zahlen sind Ergebnisrechnung und Zahlungsströme deshalb getrennt zu betrachten: Der Gewinnanstieg beseitigt den Mittelabfluss nicht.

Stifel sieht Kundenverpflichtungen als Stütze für die Kapazitätsinvestitionen. Diese Einschätzung liefert ein wichtiges Gegengewicht zur hohen Kapitalbindung: Langfristige Abnahmevereinbarungen können die Planung des Ausbaus unterstützen. Den gegenwärtigen Finanzierungsbedarf ersetzen sie jedoch nicht.

Höhere Ziele brauchen zusätzliche Kapazität

Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 prognostiziert Coherent einen Umsatz zwischen 2,55 und 2,75 Mrd. US-Dollar. Das Management erwartet damit eine weitere Expansion gegenüber dem Auftaktquartal.

Der Ausblick macht deutlich, warum das Unternehmen den Ausbau vorantreibt. Die Nachfrage soll weiter steigen; entsprechend müssen Lieferfähigkeit und Produktionskapazität mitwachsen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwartet Coherent auf Pro-forma-Basis mehr als 60% Umsatzwachstum. Vor Ende 2028 strebt das Unternehmen eine bereinigte Bruttomarge von über 45% an.

Eine längerfristige Grundlage bildet der PhotonLink-Liefervertrag mit einem großen KI-Unternehmen. Er umfasst rund 20 Mrd. US-Dollar über fünf Jahre. Erste Umsätze daraus erwartet Coherent ab Anfang 2028.

Damit liegen ein Teil der Investitionsbelastung und die erwarteten Erlöse aus diesem Vertrag zeitlich auseinander. Die zentrale Anlegerfrage ist deshalb nicht allein, ob Coherent weiter wächst. Entscheidend ist auch, wie schnell der Ausbau das starke Umsatzwachstum in positive freie Mittelzuflüsse übersetzen kann.

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