Comdirect: Das wird den Aktionären nicht gefallen

Dank eines Sonderertrages hat der Online-Broker Comdirect im vergangenen Jahr seinen Gewinn deutlich steigern können. Allerdings wird damit verdeckt, dass es im operativen Geschäft nicht ganz so rund läuft. Deshalb hat das Institut schon angekündigt, die Dividende deutlich abzusenken.

Das vergangene Geschäftsjahr war bei Comdirect vor allem durch ein großes Ereignis geprägt. Denn im zweiten Quartal hatte die Bank im Rahmen der Übernahme von Visa Juror durch den US-Konzern Visa einen Einmalertrag von rund 41 Millionen Euro verbuchen können. Das schlug sich auch im Jahresergebnis deutlich nieder. So konnte Comdirect im Gesamtjahr vor Steuern rund ein Drittel mehr als im Vorjahr verdienen und wies einen Gesamtgewinn vor Steuern von 120,7 Millionen Euro aus. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 42 % auf 92,5 Millionen Euro mehr.

Comdirect schwächelt im operativen Geschäft

Damit wurde allerdings überdeckt, dass sich das operative Geschäft eher rückläufig entwickelt hat. So verbuchte die Bank beim Provisionsüberschuss einen Rückgang um 6 % auf 215,4 Millionen Euro. Als Resultat der erneut gefallenen Marktzinsen im Berichtszeitraum wurde beim Zins-Überschuss nach Risikovorsorge nur noch ein Wert von knapp unter 119 Millionen Euro ausgewiesen. Dieser lag 12 % unter dem Vorjahr.

Aber es gab natürlich auch positive Aspekte. So konnte man beispielsweise das Profitabilitätsziel klar erreichen. Im Vorfeld hatte man eine Eigenkapitalrendite von über 19 % angepeilt, in der Endabrechnung erreichte man sogar 21,4 % vor Steuern. Gleichzeitig konnte man bei der Kundenanzahl erneut zulegen. Die Gesamtkundenzahl erhöhte sich um 127.000 auf 3,117 Millionen. Bei der Anzahl der Depots ergab sich ein Plus von 81.000 auf 1,867 Millionen und das betreute Kundenvermögen erhöhte sich um 10,3 Milliarden Euro auf 75,7 Milliarden Euro.

Dividende wird gekürzt

Trotz des deutlichen Gewinnzuwachses sollen sich die Aktionäre allerdings mit einer kleineren Dividende begnügen. Denn die Comdirect Bank will einen Großteil des Gewinns in die Gewinnrücklage und damit in die Eigenkapitalbasis stecken, um für weitere Wachstumsschübe gerüstet zu sein. Die Aktionäre sollen nach einer Dividende von 0,40 Euro im Vorjahr nun nur 0,25 Euro je Aktie bekommen.

Hier ist absehbar: Auch wenn die Einbuchung des Sondergewinn in die Gewinnrücklage strategisch sinnvoll ist, so dürften die Aktionäre wohl weniger erfreut sein über die deutliche Dividendenkürzung. Inwieweit sich dies auf den zum Wochenstart bereits stark unter Druck stehenden Aktienkurs noch weiter negativ auswirken wird, bleibt abzuwarten.

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