Comeback der Inflation-Anleihen?

Auktionen, sprich Platzierungen von Staatsanleihen, sind in der Regel eher etwas für die Profis. Zumal hier in der entscheidenden Preisfindungsphase in der Regel nur die institutionellen Anleger unter sich sind. Ganz abgesehen davon, dass hier jede Woche etliche Emissionen stattfinden bzw. Aufstockungen von schon emittierten Anleihen.

© Fotolia / nmann77
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In dieser Routine werden dann leicht Tendenzen übersehen, die langfristig auch für den Gesamtmarkt interessant werden könnten. Aktuell ist dies vor allem bei den sogenannten inflationsindexzierten Anleihen der Fall. Diese bieten grob gesagt Anlegern die Möglichkeit, höhere Inflationsraten zu kompensieren, indem auf den jeweiligen Kupon ein entsprechender Inflationsausgleich gezahlt wird.

Spanien als Türöffner

Bereits in der Vorwoche konnte Spanien in dieser Hinsicht ein Achtungszeichen setzen. Denn das Euro-Land emittierte letzte Woche neben drei normalen Anleihen auch einen inflationsgebundenen Bond. Das Besondere daran: Dieser konnte mit einer Emissionsrendite von -0,62 % platziert werden, während die vorhergehende Emission einer solchen Anleihe nur mit einer Emissionsrendite von -0,108 % gepreist wurde.

Die deutlich geringere Rendite ließ sich nur durchsetzen, weil zum einen die Inflationsrate in der Eurozone generell noch niedrig ist und zum anderen eine entsprechend hohe Nachfrage generiert werden konnte.

Bundesanleihe überzeichnet

In dieser Woche macht nun eine Aufstockung einer bestehenden 30-jährigen inflationsindexierten Bundesanleihe von sich reden. Dieser Anleihe ist in 2046 fällig und wird mit derzeit 0,1 % verzinst. Bei der Auktion ergab sich eine Durchschnittsrendite von -0,6 %.

Das bemerkenswerte daran: Insgesamt wurden bei einem geplanten Platzierungsvolumen von 500 Millionen € Gebote über rund 589 Millionen € abgegeben. Bei der vorhergehenden Auktion sah das noch ganz anders aus. Denn damals galt die Aktion als technisch unterzeichnet. Das bedeutet, es bestand geringere Nachfrage für das Angebot.

Baut sich hier eine Inflations-Erwartung auf?

Das Spannende daran: Hier scheint sich im Markt langsam die Erwartung aufzubauen, dass es mit der Inflation in der Eurozone doch zunehmend aufwärts gehen könnte. Für den September hatte die EZB bekanntlich eine Inflationsrate in der Eurozone von 0,4 % gemeldet, was den höchsten Stand seit Oktober 2014 darstellte. Hierbei wirkten sich insbesondere die deutlich abgeschwächten Preisrückgänge bei den Energiepreisen aus. In der Kernrate, die unter anderem die volatileren Bereiche wie Energie und Nahrungsmittel herausrechnet, stagnierte die Inflationsrate bei 0,8 %.

Dennoch rechnen anscheinend immer mehr Börsianer damit, dass auf Sicht der nächsten 12-24 Monate die Inflationsrate in der Eurozone weiter zulegen könnte. Das würde den inflationsgeschützten Anleihen einen entsprechenden Schub ermöglichen. Deshalb auch die stärkere Nachfrage.

Fazit: Wenn Sie in Ihrer Anlagestrategie Anleihen mit einbeziehen, sollten Sie auch über eine Beimischung von inflationsgeschützten Anleihen nachdenken. Hierbei bieten sich derzeit insbesondere eine bis 2030 laufende spanische Anleihe (ISIN ES00000127C8) sowie eine bis 2024 laufende italienische Inflation-Anleihe (ISIN IT0005004426) an.

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