Commerzbank Aktie: 1,2-Milliarden-Rückkauf genehmigt
Commerzbank will Gewinne künftig vollständig an Aktionäre ausschütten. Rekordhalbjahr und EZB-genehmigter Aktienrückkauf stützen die neue Kapitalstrategie.

- Vollständige Gewinnausschüttung geplant
- Rekordhalbjahr mit operativem Plus
- EZB genehmigt 1,2-Milliarden-Rückkauf
- Analysten erhöhen Kursziele
Die Commerzbank schraubt ihre Ausschüttungen an Aktionäre deutlich nach oben. Für das laufende Geschäftsjahr plant das Frankfurter Institut, das gesamte Nettoergebnis nach Abzug der AT1-Kuponzahlungen an die Anteilseigner zurückzugeben. Bei einem Nettogewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro entspräche das einer Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro. Zusätzlich soll der Anteil der Dividende an dieser Rückgabe künftig auf mindestens 50 Prozent steigen – bislang lag der Fokus stärker auf Aktienrückkäufen.
Konkret wird die Bank bereits jetzt: Im Juli reichte sie einen Antrag auf einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro ein. Die Europäische Zentralbank hat die dafür nötige Genehmigung bereits erteilt. Das Programm reiht sich ein in eine Serie von Rückkäufen, mit denen die Commerzbank in den vergangenen Jahren überschüssiges Kapital an den Markt zurückgegeben hat.
Rückenwind durch Rekordhalbjahr
Die großzügigere Kapitalpolitik fußt auf einer robusten Geschäftsentwicklung. Am vergangenen Donnerstag hatte die Bank ein Rekordhalbjahr vermeldet: Das operative Ergebnis kletterte um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, das Nettoergebnis erreichte mit 1,8 Milliarden Euro einen Höchststand. Die Erträge legten um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu, während der Zinsüberschuss trotz gesunkener Notenbankzinsen mit 4,1 Milliarden Euro nahezu stabil blieb. Die Cost-Income-Ratio sank auf 53 Prozent, die Nettoeigenkapitalrendite erreichte mit 12,6 Prozent ebenfalls einen Rekordwert.
Auch das Brokerage-Geschäft trug zum starken Halbjahr bei: Die Tochter comdirect verzeichnete mit 21 Millionen Trades ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die verbesserten Aussichten schlagen sich in den Einschätzungen der Analysten nieder. Die DZ Bank hob ihr Kursziel am Donnerstag von 42 auf 46 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung – das höchste der aktuell dokumentierten Kursziele. Deutsche Bank Research bestätigte am selben Tag die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 42 Euro. Zurückhaltender bleibt JPMorgan: Die Bank erhöhte ihr Kursziel zwar von 37 auf 38 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“.
Die unterschiedlichen Kurszielspannen spiegeln die Debatte um die Zukunft der Bank wider. Parallel zur operativen Entwicklung sorgt die schwebende Frage um eine mögliche Übernahme durch UniCredit weiterhin für Bewegung – ein Thema, das seit rund zwei Wochen die Aktie treibt und dem Kurs seither einen Anstieg von 7,9 Prozent verschafft hat.
Aktie nahe Jahreshoch
Am Kapitalmarkt kommt die Kombination aus Rekordzahlen und großzügigerer Ausschüttungspolitik gut an. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent auf Tagesbasis. Damit notiert das Papier nur noch 1,71 Prozent unterhalb seines 52-Wochen-Hochs von 39,85 Euro, das erst am Donnerstag erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht für die Aktie ein Plus von 8,50 Prozent zu Buche.
Für Anleger bündeln sich damit mehrere Treiber: eine spürbar verbesserte operative Ertragskraft, eine aktionärsfreundlichere Kapitalpolitik und die ungeklärte strategische Zukunft im Übernahmepoker mit dem italienischen Rivalen. Wie sich diese Faktoren mittelfristig auf die Bewertung auswirken, dürfte auch von den nächsten Schritten der EZB bei den laufenden regulatorischen Prüfungen abhängen.
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