Commerzbank Aktie: 16-Jahres-Hoch bei 39,85 Euro
Die Commerzbank meldet einen verdoppelten Quartalsgewinn und ein neues Rückkaufprogramm. Der Aktienkurs erreicht den höchsten Stand seit 2010, während die Zukunft gegenüber UniCredit offen bleibt.

- Quartalsgewinn auf 898 Millionen Euro verdoppelt
- Neues Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro
- UniCredit kontrolliert fast 50 Prozent der Anteile
- Aktie erreicht höchsten Stand seit 2010
Verdoppelter Quartalsgewinn, ein neues Aktienrückkauf-Programm und ein Großaktionär, der fast die Hälfte der Anteile hält. Die Commerzbank liefert heute gleich mehrere Nachrichten auf einmal. Im Zentrum steht die Frage, wie lange die Bank ihre Eigenständigkeit gegenüber UniCredit noch behaupten kann.
Die Aktie markierte am Donnerstag ein neues 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro. Das ist der höchste Stand seit 2010. Aktuell notiert das Papier bei 39,48 Euro, ein Plus von 0,59 Prozent zum Vortag.
Gewinn verdoppelt sich im Quartal
Die Commerzbank hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 898 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 462 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Ergebnis gerechnet.
Für das erste Halbjahr steht ein Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro. Die Erträge kletterten um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss blieb trotz sinkender Zinsen in Polen mit 4,1 Milliarden Euro nahezu stabil.
Besonders stark wuchs der Provisionsüberschuss. Er legte um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Die Eigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent und lag damit bereits über dem Jahresziel von 12 Prozent. Die Kosten-Ertrags-Relation sank auf 53 Prozent.
Vorstand bestätigt Jahresziel, plant neuen Rückkauf
Der Vorstand hält am Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 fest. Zusätzlich plant die Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank hat die Genehmigung dafür bereits erteilt.
Die harte Kernkapitalquote lag zum Quartalsende bei 14,4 Prozent. Das verschafft der Bank Spielraum für Kapitalrückführungen und Investitionen im Rahmen der Strategie „Momentum 2030″.
UniCredit hält fast die Hälfte der Anteile
Parallel zu den Zahlen rückt das Verhältnis zur italienischen Großaktionärin UniCredit in den Fokus. Der italienische Konzern kontrolliert mittlerweile Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp signalisierte am Donnerstag Gesprächsbereitschaft. Sie sprach von „konstruktiven Gesprächen“ und betonte, die operative Eigenständigkeit müsse dabei gewahrt bleiben. Für den heutigen Tag ist ein Treffen zwischen den Führungsspitzen beider Häuser angesetzt. Es gilt als Auftakt für die kommenden Verhandlungen.
Analysten lesen die starken Quartalszahlen auch als Botschaft an UniCredit. Die Commerzbank zeigt damit, dass sie auch ohne Fusion signifikante Wertsteigerungen liefern kann.
Analysten sehen begrenzten Spielraum nach oben
JPMorgan bleibt nach den Zahlen bei der Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 37 Euro. Analyst Kian Abouhossein sieht die Bank auf gutem Weg, ihre Jahresziele zu erreichen. Beim aktuellen Kursniveau erwartet er jedoch nur begrenztes weiteres Potenzial, sofern keine neuen Impulse aus dem Übernahmegeschehen kommen.
Der RSI liegt bei 61,6 und damit im neutralen Bereich. Die Aktie gilt trotz des Rekordhochs noch nicht als überkauft.
Das heutige Treffen zwischen Orlopp und der UniCredit-Führung dürfte zeigen, ob aus der Gesprächsbereitschaft konkrete Verhandlungen werden. Für die Commerzbank hängt davon ab, ob sie ihren eigenständigen Kurs halten kann oder ob UniCredit den nächsten Schritt zur Kontrolle sucht.
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