Commerzbank Aktie: 1,81 Milliarden Halbjahres-Rekord bei +40%
Commerzbank übertrifft Erwartungen mit 898 Mio. Euro Quartalsgewinn, bestätigt Jahresziel und genehmigt Aktienrückkauf. Derweil eskaliert der Machtkampf mit UniCredit.

- Gewinnsprung auf 898 Millionen Euro
- Rekordhalbjahr mit 1,81 Milliarden Euro
- BaFin genehmigt Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden
- UniCredit hält faktisch knapp 50 Prozent
Die Commerzbank hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 898 Millionen Euro erzielt und damit ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahreswert von 462 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Die Bank übertraf damit die Analystenerwartung von 856 Millionen Euro deutlich. Im ersten Halbjahr kletterte der Nettogewinn auf 1,81 Milliarden Euro und markiert damit einen Rekordwert – ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr stieg um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, die Eigenkapitalrendite (RoTE) lag bei 12,6 Prozent.
Für das Gesamtjahr bestätigte die Bank ihr Ziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn bei einer angestrebten Eigenkapitalrendite von 12 Prozent. Zusätzlich genehmigte die BaFin einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Kreditvergabe an Unternehmenskunden legte im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 123 Milliarden Euro zu, während die Problemkreditquote bei niedrigen 1,1 Prozent verharrte.
Der Aktienkurs reagierte auf die Zahlen zunächst mit deutlichen Ausschlägen und fiel im frühen Handel um rund 1,9 Prozent, bevor er sich im Tagesverlauf der Nulllinie annäherte. Am Donnerstag schloss das Papier bei 38,55 Euro, ein Rückgang von 1,63 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit notiert die Aktie noch 3,26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das erst am Donnerstag erreicht wurde.
UniCredit drängt auf Kontrolle
Hinter den starken Zahlen steht ein Machtkampf, der die Commerzbank seit Monaten begleitet. Der italienische Rivale UniCredit hat sich Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert – nach unterschiedlichen Angaben hält der Konzern 44,37 Prozent direkt sowie über Optionen weitere 3,22 Prozent, was Stimmrechte von über 49 Prozent ergibt. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bot UniCredit daraufhin Gespräche an und erklärte, eine Allianz könne Wert schaffen. Sie zeigte sich nach eigenen Worten optimistisch, eine gemeinsame Basis zu finden, auch wenn UniCredit trotz der faktischen Mehrheit nicht allein über Strukturmaßnahmen entscheiden könne.
UniCredit-Chef Andrea Orcel lehnte Verhandlungen mit dem Commerzbank-Management jedoch ab und will zunächst mit der deutschen Bundesregierung, die 12 Prozent an der Bank hält, sowie mit der Belegschaft sprechen. Orcel verfolgt nach Berichten ein Restrukturierungsprogramm mit dem Namen „Commerzbank Unlocked“, das ab 2027 greifen soll: Investitionen von 2,2 Milliarden Euro stehen einer zusätzlichen Risikovorsorge von 500 Millionen Euro gegenüber. Für eine förmliche Fusion wäre eine Mehrheit von 75 Prozent nötig, zudem prüft die Europäische Zentralbank einen Antrag zum Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle. Die Süddeutsche Zeitung berichtete zudem über ein Übernahmeangebot von UniCredit im Volumen von 45 Milliarden Euro.
Analysten sehen moderate Aufwärtsspielräume
Die überraschend starken Quartalszahlen veranlassten JPMorgan, das Kursziel für die Commerzbank-Aktie von 37 auf 38 Euro anzuheben. Die Einstufung beließ das Analysehaus jedoch bei „Neutral“. Analyst Kian Abouhossein erhöhte seine Schätzung für den bereinigten Gewinn je Aktie 2026 moderat und begründete dies mit höheren erwarteten Erträgen bei gleichzeitig niedrigeren Kosten.
Die Kombination aus Rekordzahlen und ungeklärter Eigentümerfrage hält die Aktie in einer Schwebelage. Charttechnisch bewegt sich das Papier mit einem Abstand von 2,88 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,47 Euro weiterhin in einem intakten Aufwärtstrend, während ein RSI von 55,1 auf keine Überhitzung hindeutet. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich Orlopp und Orcel auf Bedingungen wie eine fortgesetzte Frankfurter Börsennotierung und den Verzicht auf einseitige Strukturmaßnahmen einigen können. Ein Kommentar der Börsen-Zeitung sprach in diesem Zusammenhang bereits von einer möglicherweise niedrigeren Dividende für 2026, sollte UniCredit ihre Investitionspläne zulasten der Minderheitsaktionäre durchsetzen.
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