Commerzbank Aktie: 47,59 Prozent Zugriff für UniCredit
Commerzbank-Chefin Orlopp öffnet sich für Verhandlungen mit UniCredit. Der italienische Großaktionär peilt die vollständige Übernahme bis Ende 2026 an.

- Orlopp zeigt Dialogbereitschaft
- UniCredit peilt Übernahme bis Ende 2026 an
- AfD fordert höhere Staatsbeteiligung
- Commerzbank hebt Gewinnprognose an
Die Machtprobe zwischen der Commerzbank und ihrem italienischen Großaktionär bekommt eine neue Wendung. Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp signalisierte laut einem Bericht von dpa-AFX und Handelsblatt erstmals öffentlich Verhandlungsbereitschaft gegenüber UniCredit. In einem internen Interview warb Orlopp für einen konstruktiven Dialog mit dem italienischen Institut, das seinen Zugriff auf die Frankfurter Bank zuletzt massiv ausgeweitet hatte.
UniCredit drängt auf schnellen Abschluss
Auf der Gegenseite macht UniCredit-Chef Andrea Orcel Tempo. Er nannte das Ende des vierten Quartals 2026 als Ziel für den Abschluss einer vollständigen Übernahme der Commerzbank – vorausgesetzt, die Europäische Zentralbank erteilt die notwendigen regulatorischen Genehmigungen. Die Ausgangslage dafür hat sich für UniCredit deutlich verbessert: Nach Ablauf der Frist des freiwilligen Übernahmeangebots am 3. Juli hatten Aktionäre 17,6 Prozent der Commerzbank-Anteile angedient. Inklusive bereits gehaltener Optionen kommt UniCredit damit rechnerisch auf einen Zugriff von rund 47,59 Prozent, wie die Commerzbank mitteilte. Für das kommende vierte Quartal erwarten Beobachter die Entscheidung der EZB über den Antrag von UniCredit, die Beteiligung auf bis zu 100 Prozent aufzustocken.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte den italienischen Konzern bereits am Dienstag öffentlich aufgefordert, direkt mit dem Commerzbank-Vorstand zu verhandeln, um die strategischen Absichten hinter dem Beteiligungsaufbau zu klären. Orlopps jüngste Signale lassen sich als Reaktion auf diese Forderung lesen – und als Anerkennung, dass eine Blockadehaltung angesichts der Mehrheitsverhältnisse kaum noch durchzuhalten ist.
Politischer Widerstand aus Berlin
Während sich die Fronten zwischen den beiden Bankvorständen zu entspannen scheinen, wächst der politische Gegenwind. Die AfD-Bundestagsfraktion brachte am Donnerstag einen Antrag ein, der die Bundesregierung auffordert, die Staatsbeteiligung an der Commerzbank über die KfW auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie aufzustocken. Ziel des Vorstoßes ist es, eine vollständige Kontrolle durch UniCredit zu verhindern. Ob der Antrag eine Mehrheit findet, ist offen, doch er zeigt, dass die Übernahme längst auch eine politische Dimension jenseits der Aktionärsstruktur angenommen hat.
Operatives Geschäft läuft rund
Unabhängig vom Übernahmepoker liefert die Commerzbank operativ solide Zahlen. Mitte Juli hob der Vorstand die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Für den Zeitraum 2026 bis 2028 kündigte das Institut zudem eine Ausschüttungsquote von nahezu 100 Prozent des Gewinns an – ein Signal an Investoren, das die Aktie zusätzlich attraktiv machen dürfte, unabhängig vom Ausgang der Übernahmefrage. Für das zweite Quartal 2026 erwarten Analysten im Konsens ein Ergebnis je Aktie von 0,73 Euro; die entsprechenden Zahlen veröffentlicht die Bank am kommenden Donnerstag. Parallel treibt das Institut die Digitalisierung voran und hat Anfang Juli Google Cloud Gemini Enterprise sowie Microsoft 365 Copilot fest in die operativen Arbeitsprozesse integriert.
Kurs pendelt nahe Jahreshoch
An der Börse zeigt sich die Commerzbank-Aktie von den politischen Scharmützeln bislang unbeeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 37,45 Euro und legt am heutigen Freitag um 0,24 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das Mitte Juli markiert wurde, fehlen der Aktie noch 4,42 Prozent – von einer Übertreibung kann angesichts der offenen Übernahmefragen kaum die Rede sein. JPMorgan bestätigte am 17. Juli nach einer Aktualisierung des Bewertungsmodells die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 37,00 Euro, was in etwa dem aktuellen Kursniveau entspricht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein grundsätzlich verhandlungsbereiter Vorstand, ein übernahmewilliger Großaktionär mit ambitioniertem Zeitplan und ein politisches Berlin, das eigene Bedingungen formuliert – all das trifft auf ein Institut, das operativ derzeit so profitabel wirkt wie selten zuvor.
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