Commerzbank Aktie: 6. August wird entscheidend

Commerzbank-Aktie fällt vor Quartalszahlen. Aufsichtsrat signalisiert Gesprächsbereitschaft mit UniCredit, politischer Druck aus Bayern wächst.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust vor Halbjahreszahlen
  • UniCredit nähert sich Kontrollübernahme
  • Aufsichtsrat zeigt Verhandlungsbereitschaft
  • Söder fordert Bund zum Eingreifen auf

Die Commerzbank-Aktie gerät eine Woche vor den Halbjahreszahlen unter Druck. Am Mittwoch notiert das Papier bei 36,99 Euro und verliert damit 1,52 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,45 Prozent zu Buche, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro beträgt mittlerweile 5,59 Prozent. Der Rückgang fällt in eine Phase, in der sich die Übernahmefrage durch UniCredit einer Entscheidung nähert.

Aufsichtsrat sendet Signale vor der Bilanzvorlage

UniCredit hält nach eigenen Angaben knapp 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank und strebt die Kontrolle über das Institut an. Nach Berichten mehrerer Nachrichtenagenturen zeichnet sich im Aufsichtsrat der Commerzbank eine grundsätzliche Akzeptanz dieser Ambitionen ab. Aufsichtsratschef Jens Weidmann rief beide Seiten zu konstruktiven Gesprächen auf. Entscheidend wird der 6. August: An diesem Tag legt die Commerzbank ihre Quartalszahlen vor, danach könnten nach übereinstimmenden Berichten finale Verhandlungen über die Übernahme beginnen.

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat für den Fall einer Übernahme Investitionen von 2,2 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren in Aussicht gestellt. Eine kurzfristige Fusion mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank ist den Berichten zufolge dagegen nicht geplant – ein Detail, das mögliche Sorgen vor einer schnellen Integration und damit verbundenem Stellenabbau zumindest zeitlich entschärft.

Politischer Druck aus Bayern

Der Streit um die Commerzbank hat auch die Bundespolitik erreicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte die Bundesregierung auf, in Verhandlungen mit UniCredit einzutreten. Der Bund selbst hält nach wie vor 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und ist damit direkt an der Entscheidung beteiligt. Söders Vorstoß reiht sich in eine Reihe politischer Appelle ein, die zuletzt lauter wurden, während UniCredit seine Beteiligung schrittweise ausgebaut hat. UniCredit selbst verweist zur Untermauerung ihrer Ambitionen auf ihre langjährige Erfahrung: Das Institut hält die HypoVereinsbank bereits seit 20 Jahren.

Auf Unternehmensseite hat die Commerzbank ihre Verteidigungsstrategie bereits skizziert: mehr Gewinn, eine höhere Dividende und ein reduzierter Stellenabbau sollen die Übernahme durch UniCredit unattraktiver machen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die bislang gebotene Prämie für die Aktionäre zu gering ausfalle – ein Punkt, der die anstehenden Verhandlungen zusätzlich belasten dürfte.

Blick auf die Zahlen und den Kursverlauf

Der Kursrückgang der vergangenen Handelstage fällt in eine Phase erhöhter Unsicherheit. Anleger dürften vor dem 6. August abwarten, wie belastbar die operative Entwicklung der Commerzbank tatsächlich ist – schließlich hängt davon ab, mit welcher Verhandlungsposition das Institut in die finale Phase der Übernahmegespräche geht. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch mit 2,47 Prozent im Plus, doch die jüngste Schwäche zeigt, dass der Markt die Ausgangslage vor den Zahlen neu bewertet.

Für die kommenden Tage bleibt die Gemengelage aus operativem Ausblick, politischem Druck und der ungeklärten Kontrollfrage bestimmend. Ob der Aufsichtsrat sein Entgegenkommen nach der Zahlenvorlage in konkrete Verhandlungsschritte übersetzt, dürfte sich in den ersten Augusttagen zeigen.

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