Commerzbank Aktie: 7.000 Stellen laut Bericht geplant

Berlin verlangt von UniCredit Zusagen zu Frankfurt, Krediten und Beschäftigung. Der Ausgang der Commerzbank-Übernahme bleibt weiterhin offen.

Die Kernpunkte:
  • Bund fordert vier konkrete Zusagen
  • UniCredit sammelte 17,6 Prozent ein
  • Knapp 50 Prozent Stimmrechte möglich
  • Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch

Die Bundesregierung hat ihre Erwartungen an eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit präzisiert. Vor dem Treffen zwischen Finanzminister Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel fordert Berlin nach Reuters-Informationen konkrete Zusagen: ein Börsenlisting in Frankfurt, verlässliche Kreditvergabe an deutsche Unternehmen, den Verzicht auf Zwangskündigungen sowie zwei Aufsichtsratsposten für den Bund. Der Staat hält noch rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und positioniert sich damit als gewichtiger Verhandlungspartner.

Der Vorstoß aus Berlin fällt in eine heikle Phase des Übernahmeprozesses. UniCredit hatte laut Reuters bis zum 3. Juli 2026 rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien im Rahmen des Angebots eingesammelt.

Nach Freigaben könnte der italienische Konzern damit Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte erhalten – ein Niveau, das für einen Beherrschungsvertrag noch nicht reicht, denn dafür wären 75 Prozent nötig, für einen Squeeze-out sogar 90 bis 95 Prozent.

Die kombinierte Bilanzsumme beider Häuser läge bei mehr als 1,3 Billionen Euro. Zusätzliche Brisanz erhält der Vorgang durch Berichte, wonach Orcel intern Stellenstreichungen im Umfang von 7.000 Positionen geplant haben soll.

Frankfurt als Finanzzentrum im Blick

Das Bundesfinanzministerium betonte vor dem Treffen mit UniCredit, die Commerzbank sei ein bedeutender Arbeitgeber und spiele eine Schlüsselrolle für Frankfurt am Main als Finanzstandort. Diese Positionierung liefert den politischen Unterbau für die Forderung nach dem Erhalt des Frankfurter Listings und nach Beschäftigungsgarantien.

Für Anleger bedeutet das: Der Ausgang der Übernahme hängt nicht mehr allein von Kapitalquoten und Andienungsschwellen ab, sondern zunehmend von politischen Zugeständnissen, die UniCredit erst noch verhandeln muss.

Aktie nahe Rekordhoch

Der Übernahmepoker hat die Commerzbank-Aktie zuletzt beflügelt. Am Freitag schloss das Papier bei 43,02 Euro, ein Plus von 2,8 Prozent auf Tagesbasis und binnen sieben Tagen. Damit notiert die Aktie nur noch 0,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, das erst am 8. September markiert wurde.

Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 19 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 31 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 69 signalisiert eine bereits ambitionierte Bewertung, ohne dass die Aktie damit zwingend überkauft wäre.

Die politische Einmischung des Bundes dürfte die Verhandlungen zwischen Berlin und Mailand in den kommenden Wochen prägen. Für Investoren bleibt entscheidend, ob UniCredit die geforderten Zugeständnisse akzeptiert oder ob sich der Übernahmeprozess dadurch weiter verzögert. Solange keine Einigung über Aufsichtsratsposten, Standortgarantien und Beschäftigungsfragen vorliegt, bleibt der Ausgang der größten Bankenübernahme Europas offen.

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