Commerzbank Aktie: 7.000 Stellen vor Abbau
UniCredit plant bei der Commerzbank Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro und den Abbau tausender Stellen. Zudem gibt es eine Anklage wegen Cum-Ex-Geschäften.

- Kostensenkung um 1,3 Milliarden Euro geplant
- Rund 7.000 Arbeitsplätze sollen wegfallen
- Cum-Ex-Anklage gegen vier Ex-Mitarbeiter
- Neue Frankfurter Zentrale für 3.200 Beschäftigte
UniCredit-Chef Andrea Orcel legt nach der geglückten Übernahme der Commerzbank offenbar direkt nach: Er strebt eine Kostensenkung von 20 Prozent an, umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Das Programm dürfte für die Commerzbank tiefgreifende Einschnitte bedeuten und rückt die Integrationspläne der beiden Institute in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses.
Sparprogramm mit weitreichenden Folgen
Orcels Rechnung sieht vor, die Aufwand-Ertrags-Relation der Commerzbank bis 2030 auf 37 Prozent zu drücken. Damit verbunden ist einem Bericht zufolge der Abbau von rund 7.000 Stellen. Für ein Institut, das erst vor rund zwei Wochen Rekordzahlen vorgelegt hatte, markiert dies einen Kurswechsel hin zu einer deutlich strafferen Kostenstruktur unter italienischer Führung.
Die Aktie reagierte am Handelstag verhalten positiv: Der Kurs notiert aktuell bei 38,72 Euro und liegt damit 1,0 Prozent im Plus. Zum Vortagesschluss von 38,32 Euro bedeutet das einen moderaten Aufschlag, während das Papier weiterhin rund 3,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro aus dem vergangenen Monat verharrt.
Der Umbauplan trifft auf ein Institut, dessen Machtverhältnisse sich bereits deutlich verschoben haben. Orcel verfügt Berichten zufolge mittlerweile über Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Aktien – ein Ergebnis, das gegen Widerstände aus Bundesregierung, Management und Betriebsrat durchgesetzt wurde.
Anleger müssen sich damit auf eine Phase einstellen, in der strategische Entscheidungen zunehmend aus Mailand kommen, auch wenn operative Details erst in den kommenden Jahren konkret werden dürften.
Cum-Ex-Anklage gegen frühere Mitarbeiter
Parallel zu den Umbauplänen sorgt ein juristisches Nachspiel für Schlagzeilen: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat am heutigen Donnerstag Anklage gegen vier frühere Commerzbank-Mitarbeiter erhoben.
Den Beschuldigten – zwei Briten im Alter von 59 und 66 Jahren, einem 61-jährigen Deutschen und einem 60-jährigen US-Amerikaner – wird schwere Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Aktiendeals aus dem Jahr 2008 vorgeworfen. Der entstandene Steuerschaden für das Land Hessen liegt bei über 20 Millionen Euro. Zwei der Angeklagten waren in Frankfurt tätig, zwei in London.
Die Commerzbank selbst ist an dem Verfahren nicht beteiligt, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten. Laut dpa-afx handelt es sich bereits um die siebte Anklage in diesem Themenkomplex; bislang gab es zwölf Verurteilungen bei insgesamt 39 Beschuldigten in zehn Verfahrenskomplexen. Für die Bank selbst dürfte die Meldung damit eher historische als bilanzielle Relevanz haben.
Neue Zentrale und formale Meldungen
Abseits von Übernahme und Justiz meldet die Commerzbank operative Fortschritte: Sie hat sich eine Fläche von 73.000 Quadratmetern im neuen, 205 Meter hohen Central Business Tower in Frankfurt gesichert, mit einem 15-Jahres-Vertrag ab 2028. Der bestehende Commerzbank Tower bleibt Hauptsitz, die neue Fläche soll rund 3.200 Arbeitsplätze schaffen – ein Zeichen dafür, dass die Bank trotz Übernahme und Stellenabbauplänen langfristig in ihren Frankfurter Standort investiert.
Zudem veröffentlichte die Commerzbank am heutigen Tag turnusgemäß ihre Gesamtstimmrechtszahl von 1.080.847.095 sowie eine Meldung zu eigenen Aktien, wonach der gehaltene Anteil von zuvor 4,14 Prozent auf 0 Prozent gesunken ist.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Kostendisziplin unter neuer Führung trifft auf ein Institut im laufenden Übernahmeprozess, während die Aktie mit einer Marktkapitalisierung von 42,81 Milliarden Euro nahe ihrem Jahreshoch verharrt.
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