Commerzbank Aktie: 898-Millionen-Gewinn im zweiten Quartal

Commerzbank meldet Rekordgewinn und plant milliardenschwere Kapitalrückgabe. Die EZB prüft nun den Antrag von UniCredit auf Mehrheitsbeteiligung.

Die Kernpunkte:
  • Nettogewinn steigt um 94 Prozent
  • Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden Euro
  • BaFin leitet UniCredit-Antrag an EZB weiter
  • Bank bestätigt Jahresziele und Prognose

Die Commerzbank hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Erwartungen übertrafen. Zugleich rückt die Entscheidung über die Zukunft des Instituts näher: Die BaFin hat den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 1,66 Prozent auf 39,19 Euro und nähert sich damit wieder ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das sie erst am Donnerstag markiert hatte.

Rekordgewinn im zweiten Quartal

Der Nettogewinn kletterte im zweiten Quartal auf 898 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten Kosten für den Abbau tausender Stellen den Gewinn noch auf 462 Millionen Euro gedrückt – ein Anstieg von 94,2 Prozent im Jahresvergleich, der die Analystenschätzungen von 845 Millionen Euro deutlich übertraf. Für das erste Halbjahr insgesamt meldet die Bank ein operatives Ergebnis von 2,7 Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent und zugleich ein Höchststand. Das Nettoergebnis erreichte mit 1,8 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert, die Nettoeigenkapitalrendite stieg auf 12,6 Prozent.

Getragen wurde die Entwicklung von steigenden Erträgen, die in den ersten sechs Monaten um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zulegten. Maßgeblichen Anteil hatte der Provisionsüberschuss, der um 8 Prozent wuchs. Parallel dazu verbesserte sich die Cost-Income-Ratio inklusive Pflichtbeiträgen um rund 3 Prozentpunkte auf 53 Prozent, ohne Pflichtbeiträge liegt sie bei 50 Prozent. Für das Gesamtjahr bestätigte die Bank ihre Guidance: Erträge von rund 13,2 Milliarden Euro, ein Risikoergebnis von rund 850 Millionen Euro, Kosten von rund 7 Milliarden Euro sowie ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro bei einer Eigenkapitalrendite von rund 12 Prozent. Die CET1-Quote soll zum Jahresende über 14 Prozent liegen.

Kapitalrückgabe wächst weiter

Mit den Zahlen kündigte das Institut zugleich den nächsten Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro an. Die Genehmigung der EZB liegt bereits vor, die Zustimmung der Finanzagentur des Bundes steht noch aus. Insgesamt plant die Bank für 2026 eine Kapitalrückgabe von 100 Prozent des Nettoergebnisses nach AT1-Kupons – auf Basis des Gewinnziels von mindestens 3,4 Milliarden Euro entspräche das rund 3,2 Milliarden Euro. Der Dividendenanteil daran soll auf mindestens 50 Prozent steigen. JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein reagierte am Donnerstag auf die Zahlen und hob sein Kursziel von 37 auf 38 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Begründet wurde der Schritt mit moderat erhöhten Schätzungen für den bereinigten Gewinn je Aktie sowie etwas höheren Erträgen und niedrigeren Kosten.

UniCredit wartet auf EZB-Entscheidung

Über allem operativen Erfolg schwebt weiterhin die Machtfrage. Nach dem im Juli abgeschlossenen Übernahmeangebot hält UniCredit 47,59 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, zusätzlich 11,48 Prozent über Derivate ohne Stimmrechte. Die Bundesregierung bleibt mit 12,7 Prozent an Bord. Die BaFin stufte den Antrag der Italiener auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig ein und reichte ihn an die EZB weiter, die nun innerhalb von 60 Arbeitstagen entscheiden muss.

Läuft das Verfahren ohne größere Verzögerungen, könnte UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank nach Einschätzung von Marktbeobachtern bereits im Herbst übernehmen, im ungünstigeren Fall Anfang Dezember. UniCredit-Chef Andrea Orcel rechnet mit einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung möglicherweise noch im vierten Quartal. Bloomberg berichtete allerdings unter Berufung auf die italienische Zeitung Corriere della Sera, die Kontrollübernahme könnte sich auch bis in die erste Hälfte 2027 verschieben – die Zeitangaben der Beobachter gehen also merklich auseinander.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp signalisierte unterdessen Gesprächsbereitschaft, machte aber deutlich, dass UniCredit nicht „einseitig über grundlegende strukturelle Maßnahmen entscheiden“ könne – selbst wenn die italienische Bank vor der Hauptversammlung eine Mehrheitsbeteiligung erwerben sollte. Bereits im Juli hatte das Handelsblatt berichtet, die Bundesregierung bereite eine neue Strategie vor: Da sie die Übernahme kaum mehr verhindern könne, wolle sie zumindest Bedingungen stellen. Für Anleger bleibt die Commerzbank damit ein Fall mit zwei Geschwindigkeiten – operativ auf Rekordkurs, strukturell weiter in der Schwebe.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 7. August liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Commerzbank