Commerzbank Aktie: 90 Millionen Euro im Russland-Streit
Deutsche Banken fordern von Linde rund 810 Millionen Euro für gescheiterte Russland-Garantien zurück. Der Prozessauftakt findet in Frankfurt statt.

- Prozessauftakt gegen Linde in Frankfurt
- Banken fordern 810 Millionen Euro Schadenersatz
- Commerzbank verlor 90 Millionen in Russland
- Aktie bleibt nahe 52-Wochen-Hoch
Drei deutsche Großbanken ziehen wegen eines gescheiterten Russland-Projekts gegen den Industriegasekonzern Linde vor Gericht. Der Prozessauftakt findet an diesem Dienstag in Frankfurt statt. Die Commerzbank-Aktie zeigt sich davon bislang unbeeindruckt und notiert bei 38,45 Euro – nur 1,03 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro.
Ein Milliardenauftrag, der an Sanktionen scheiterte
Ende 2021 erhielt ein von Linde geführtes Konsortium einen Prestigeauftrag. Der Konzern sollte für die Gazprom-nahe RusChemAlliance eine Gasaufbereitungsanlage samt LNG-Terminal am Ostseehafen Ust-Luga bauen. Wenige Monate später stoppten EU-Sanktionen das Projekt.
RusChemAlliance hatte Linde nach Vertragsschluss mehr als eine Milliarde Euro angezahlt. Deutsche Bank, UniCredit und Commerzbank besicherten diese Zahlung mit Bankgarantien. Nach Kriegsbeginn gaben russische Gerichte dem russischen Unternehmen recht und ebneten den Weg zur Pfändung dieser Garantien.
Die Folge: Die Deutsche Bank verlor dadurch rund 244 Millionen Euro an russische Vermögenswerte, die Commerzbank etwa 90 Millionen Euro. BayernLB traf es mit rund 270 Millionen Euro noch härter, LBBW verlor etwa 50 Millionen Euro.
Die Banken wollen ihr Geld zurück
Jetzt fordern die Institute diese Verluste von Linde zurück. Nach Handelsblatt-Angaben summieren sich die Klagen der drei deutschen Banken auf rund 810 Millionen Euro. Allein die Deutsche Bank verlangt 260 Millionen Euro – ein Betrag, der über ihrem tatsächlichen Russland-Verlust liegt.
Internationale Berichte bestätigen die Größenordnung. UniCredit fordert demnach rund 450 Millionen Euro bei Verlusten von etwa 460 Millionen Euro. Die Kernfrage vor Gericht: Wer trägt die Kosten eines Projekts, das an Sanktionen scheiterte – der Auftragnehmer Linde oder seine Bürgen, die Banken?
Für die Commerzbank läuft das Verfahren nicht in Frankfurt, sondern gesondert am Landgericht München. Zu den konkreten Vorwürfen hat sich das Institut öffentlich noch nicht geäußert.
Zweite Front neben dem Übernahmestreit
Der Linde-Prozess trifft die Commerzbank in einer Phase, in der sie ohnehin im Rampenlicht steht. Der Übernahmekonflikt mit UniCredit schwelt weiter im Hintergrund und bleibt für Aktionäre die entscheidende Frage. Nun kommt mit dem Russland-Geschäft eine zweite juristische Front hinzu – Altlasten aus der Zeit vor dem Angriffskrieg gegen die Ukraine.
An der Börse zeigt sich davon bisher nichts. Die Aktie legte binnen 30 Tagen um 6,33 Prozent zu, auf Jahressicht steht ein Plus von 33,51 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 36,97 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 34,44 Euro – der Titel bewegt sich damit deutlich über beiden Marken.
Der heutige Prozessauftakt in Frankfurt dürfte erste Hinweise liefern, wie deutsche Gerichte die Verantwortung zwischen Auftragnehmer und Bürgen verteilen. Das separate Münchner Verfahren der Commerzbank folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Bis dahin bleibt offen, ob die rund 90 Millionen Euro Verlust aus dem Russland-Geschäft am Ende bei Linde landen – oder bei der Bank selbst.
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