Commerzbank Aktie: 94 Prozent Gewinnsprung im zweiten Quartal

Commerzbank meldet Rekordgewinn im ersten Halbjahr und verbessert damit ihre Verhandlungsposition gegenüber der UniCredit. Die EZB prüft nun die Übernahme.

Die Kernpunkte:
  • Höchster Halbjahresgewinn der Bankgeschichte
  • BaFin reicht Übernahmeantrag an EZB weiter
  • Orlopp signalisiert Gesprächsbereitschaft mit UniCredit
  • Analysten heben Kursziele nach Zahlen an

Der Übernahmeprozess bei der Commerzbank hat eine neue Verfahrensstufe erreicht. Die BaFin hat den Antrag von UniCredit auf Aufstockung der Beteiligung als vollständig eingestuft, wie Handelsblatt berichtet – die Behörde hatte dies UniCredit bereits Ende Juli mitgeteilt. Damit liegt der Fall jetzt bei der Europäischen Zentralbank, die innerhalb von 60 Arbeitstagen über die Genehmigung entscheiden muss.

Parallel dazu hat die Commerzbank am Donnerstag ihre Halbjahreszahlen vorgelegt – und damit ausgerechnet in der entscheidenden Verfahrensphase einen Rekord nach dem anderen präsentiert.

Rekordhalbjahr trifft auf Übernahmefrage

Das Nettoergebnis der Bank stieg im ersten Halbjahr um rund 40 Prozent auf 1.810 Millionen Euro, nach 1.296 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – der höchste Wert der Unternehmensgeschichte. Das operative Ergebnis kletterte um 14 Prozent auf 2.700 Millionen Euro, die Nettoeigenkapitalrendite erreichte mit 12,6 Prozent ebenfalls einen Rekordwert.

Allein im zweiten Quartal sprang der Nettogewinn um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 845 Millionen Euro gerechnet hatten.

Die Erträge legten im Halbjahr um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu, getragen auch von einem um 8 Prozent gestiegenen Provisionsüberschuss. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich inklusive Pflichtbeiträgen auf 52 Prozent, im Vorjahresquartal hatte sie noch bei 55 Prozent gelegen.

Für das Gesamtjahr bestätigte die Bank ihren Ausblick: Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro und ein Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro sollen erreicht werden. Zusätzlich kündigte das Institut einen von der EZB bereits genehmigten Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro an.

Diese Zahlen verschaffen der Commerzbank in den anstehenden Gesprächen mit UniCredit eine deutlich stärkere Ausgangsposition, als es noch vor wenigen Monaten der Fall war. Ein Institut, das Rekordwerte bei Gewinn und Eigenkapitalrendite vorweisen kann, verhandelt aus einer anderen Position als eines, das sich nur gegen eine Übernahme verteidigt.

Orlopp öffnet sich, Gipfeltreffen folgt Quartalszahlen

Unmittelbar nach der Präsentation der Zahlen kam es am Donnerstag zu einem Videogipfel zwischen Vorstandsvorsitzender Bettina Orlopp und der Führung von UniCredit. Beobachter werten das Treffen als offiziellen Auftakt für monatelange Integrationsverhandlungen.

Bemerkenswert ist der Tonwechsel: Orlopp hat ihre bislang ablehnende Haltung gelockert und signalisiert, ein Zusammenschluss könne grundsätzlich Wert schaffen – vorausgesetzt, Geschäftsmodell, Strategie und Unternehmensführung würden gemeinsam ausgearbeitet.

Der Weg dorthin bleibt komplex. Bis zum Ende der weiteren Annahmefrist am 3. Juli hatte UniCredit 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen, ein erheblicher Teil davon von mit UniCredit verbundenen Finanzinstituten und nicht von unabhängigen Aktionären.

Der wirtschaftliche Anteil der Italiener summiert sich auf rund 47,6 Prozent des Kapitals beziehungsweise knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte, sobald die angedienten Papiere formal eingebucht sind. Über weitere stimmrechtslose Finanzinstrumente hält UniCredit zusätzlich gut 11 Prozent.

Von den institutionellen und privaten Anlegern hatten laut Angaben der Commerzbank lediglich 2,7 Prozent ihre Aktien angedient – ein Hinweis darauf, dass der freie Streubesitz dem Angebot bislang skeptisch gegenübersteht. Im Juli hatte S&P Global Ratings den Ausblick für die Commerzbank wegen des Übernahmeszenarios bereits von stabil auf negativ gesenkt.

Analysten reagieren auf die Zahlen

Die frischen Geschäftszahlen sorgten für Bewegung bei den Kurszielen. DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler erhöhte sein Kursziel am 5. August von 42 auf 46 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. RBC-Capital-Markets-Analystin Anke Reingen beließ es bei „Outperform“ mit einem Kursziel von 43 Euro.

Auf der zurückhaltenderen Seite steht JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein, der sein Kursziel nur leicht auf 38 Euro anhob und bei der Einstufung „Neutral“ blieb – ein Hinweis darauf, dass die Bewertung der Aktie unter den Häusern durchaus unterschiedlich gesehen wird.

Am Markt notierte die Aktie am Montag bei 39,12 Euro und damit nur 1,83 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,37 Prozent zu Buche. Die Kursentwicklung spiegelt damit sowohl die operative Stärke der Bank als auch die Erwartung wider, dass sich im Übernahmeprozess in den kommenden Monaten Entscheidendes bewegen dürfte.

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