Commerzbank Aktie: Bund fordert zwei Aufsichtsratssitze
UniCredit will nach behördlichen Freigaben Orlopp ablösen; zugleich plant der Konzern Kreditabbau und Stellenstreichungen.

- Orlopp-Ablösung über Sonderversammlung geplant
- Austausch aller zehn Anteilseignervertreter vorgesehen
- Freigaben von drei Aufsichtsstellen stehen aus
- Kreditabbau von rund 20 Milliarden Euro geplant
Die Führungsspitze der Commerzbank gerät im Zuge der Übernahmeavancen von UniCredit unmittelbar ins Visier. Wie Reuters berichtet, strebt UniCredit-Chef Andrea Orcel die Ablösung von Commerzbank-CEO Bettina Orlopp an. Nach Informationen der Financial Times von heute plant das italienische Geldhaus, diesen Wechsel über eine außerordentliche Hauptversammlung durchzusetzen, sobald die erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden vorliegen.
Dabei zeichnet sich ein enger Zeitplan ab. Im günstigsten Fall will UniCredit die Kontrolle bereits im Januar übernehmen, während das Basisszenario einen Vollzug bis Ende Februar vorsieht. Sollte es aufseiten der Frankfurter zu Verzögerungen kommen, könnte die Entscheidung bei der regulären Hauptversammlung im Mai fallen. Zuvor war noch das zweite Quartal genannt worden.
Umbau des Aufsichtsrats als Machthebel
Um den Wechsel an der Vorstandsspitze abzusichern, setzt Orcel beim Kontrollgremium an. Geplant ist der Austausch aller zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Commerzbank-Aufsichtsrat. UniCredit hat sich Zugriff auf 47,6 Prozent der Anteile inklusive Kaufoptionen gesichert.
Für die Commerzbank verschärft sich damit die Lage grundlegend. Eine komplette Neubesetzung der Anteilseignerseite würde die bisherige Strategie der Eigenständigkeit faktisch beenden. Bislang wehrten sich Vorstand und Aufsichtsrat gegen eine Übernahme. Mit neuen Vertretern im Kontrollorgan verlöre das amtierende Management jedoch seine Rückendeckung. Weder Commerzbank noch UniCredit äußerten sich offiziell zu den Berichten.
Behördliche Hürden und politische Bedingungen
Vor einem solchen Schritt müssen mehrere Institutionen zustimmen. Die behördlichen Freigaben durch die Europäische Zentralbank, die EU-Kommission und die polnische Finanzaufsicht stehen noch aus. Erst nach diesen Genehmigungen darf UniCredit die gesicherten Anteile tatsächlich halten und das Stimmrecht ausüben.
Parallel dazu bleibt die Bundesregierung ein maßgeblicher Akteur. Berlin hält gut 12 Prozent an dem Frankfurter Institut. Laut Financial Times fordert der Bund zwei Sitze im Aufsichtsrat sowie den Erhalt des Frankfurter Sitzes, der Börsennotierung und der Mittelstandsfinanzierung.
UniCredit lehnt die geforderten Sitze im Kontrollgremium ab. Zugleich wandelte sich die Haltung der Bundesregierung dem Bericht zufolge von striktem Widerstand hin zur Formulierung konkreter Bedingungen.
Für die Bundesregierung bedeutet dies eine Gratwanderung. Einerseits soll der heimische Finanzstandort vor einem Bedeutungsverlust geschützt werden, andererseits muss sich Berlin mit den Realitäten der Eigentümerstruktur auseinandersetzen. Die veränderte Position spiegelt den Versuch wider, zentrale Standortinteressen vertraglich abzusichern, statt den Zusammenschluss grundsätzlich zu blockieren.
Geplante Einschnitte im Geschäftsmodell
Parallel dazu werden Pläne für die künftige Aufstellung des fusionierten Konzerns bekannt. Laut Financial Times plant UniCredit den Abbau von Unternehmenskrediten im Volumen von rund 20 Milliarden Euro außerhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen. Zugleich hatte UniCredit zuvor rund 7.000 Stellenstreichungen signalisiert, während Gewerkschaftsangaben von bis zu 15.000 gefährdeten Arbeitsplätzen sprachen. Orcel widersprach diesen Befürchtungen.
Die angestrebten Portfoliobereinigungen verdeutlichen das Ausmaß der geplanten Integration. Für Aktionäre der Commerzbank rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob das Management um Orlopp noch Handlungsspielraum für eine eigenständige Zukunft besitzt.
Am Aktienmarkt notiert das Commerzbank-Papier heute bei 42,55 Euro. Damit liegt die Aktie 1,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang verzeichnet der Titel ein Plus von 18 Prozent.
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