Commerzbank Aktie: Bund gibt Widerstand auf

UniCredit hält laut Medienbericht knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile. Die Bundesregierung signalisiert offenbar grünes Licht für den Kontrollwechsel.

Die Kernpunkte:
  • Bund signalisiert Zustimmung zur Übernahme
  • EZB-Genehmigung bereits erteilt
  • Commerzbank-Aktie nähert sich Rekordhoch
  • Jahresziel von 3,4 Milliarden Euro bestätigt

UniCredit hat sich einem Medienbericht zufolge Zugriff auf knapp 50 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert und damit die finale Phase der Übernahme eingeleitet. Die Bundesregierung signalisiert dabei, keinen Widerstand gegen den Kontrollwechsel zu leisten. Ein Inside-Report legte am Freitag offen, wie UniCredit-Chef Andrea Orcel durch den Ausbau der Beteiligung Management, Betriebsrat und die Politik in Berlin unter Zugzwang gesetzt hat.

Bund gibt Widerstand offenbar auf

Bereits Anfang August wurde in Marktberichten das Szenario einer vollständigen Übernahme durch UniCredit als wahrscheinlichstes Basisszenario eingestuft, weil der Bund seinen 13-Prozent-Anteil zunehmend als Randerscheinung betrachte.

Diese Einschätzung hat sich nun bestätigt: Die Bundesregierung stellt sich der Konsolidierung offenbar nicht mehr entgegen, obwohl eine formale Verkaufsentscheidung bislang nicht vorliegt. Für die Commerzbank bedeutet das faktische Grünlicht aus Berlin, dass der Weg zur Mehrheitsübernahme durch die Italiener frei ist – nachdem die EZB die Übernahme bereits vor gut einer Woche genehmigt hatte.

Parallel dazu belastet die Bank ein juristisches Nachspiel aus der Vergangenheit: Deutsche Strafverfolger haben Anklage gegen vier ehemalige Mitarbeiter der Commerzbank wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Aktivitäten aus dem Jahr 2008 erhoben. Das Verfahren dürfte die Übernahmedynamik kaum bremsen, wirft aber ein Schlaglicht auf ältere Compliance-Fälle des Instituts.

Kurs nahe am Rekordhoch

Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 39,08 Euro und legte damit binnen eines Tages um 1,6 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,2 Prozent zu Buche, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das am 13. August markiert wurde, beträgt nur noch 2,6 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 38,02 Euro notiert das Papier leicht darüber, was die grundsätzlich intakte Aufwärtsdynamik unterstreicht.

Untermauert wird die positive Kursentwicklung durch solide operative Zahlen: Nach Analyse der Ergebnisse für das zweite Quartal bestätigte das Management das Jahresziel 2026 für den Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Zudem bekräftigte die Bank geplante Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro – ein Signal finanzieller Stärke, das die Übernahmefantasie zusätzlich befeuert.

Analysten sehen Übernahme als Kurstreiber

Der DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler erhöhte am 10. August den fairen Wert für die Commerzbank-Aktie von 42 auf 46 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Übernahme durch UniCredit fließe nun explizit in seine Bewertung ein.

Auf der Gegenseite hatte die J.P.-Morgan-Analystin Delphine Lee am 18. August das Kursziel für UniCredit von 93 auf 94 Euro angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt – begründet vor allem mit der erwarteten Konsolidierung der Commerzbank-Beteiligung sowie positiven Gewinnprognosen für 2027 und 2028.

Anleger richten den Blick nun auf die weiteren Schritte im Übernahmeprozess sowie auf die für den 5. November angekündigten Quartalszahlen zum dritten Quartal 2026. Bis dahin dürfte die Frage, ob und wann der Bund seinen verbliebenen Anteil tatsächlich veräußert, die Kursentwicklung maßgeblich bestimmen.

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