Commerzbank Aktie: Bund öffnet sich UniCredit-Verkauf
Die Bundesregierung signalisiert Gesprächsbereitschaft über den Verkauf ihrer Commerzbank-Anteile an UniCredit, sofern zuvor die strategische Ausrichtung geklärt ist.

- Bund erwägt Verkauf an UniCredit
- EZB-Zustimmung als wichtiger Meilenstein
- Rekordgewinn im zweiten Quartal
- Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch
Die Bundesregierung öffnet sich einem Verkauf ihrer Commerzbank-Beteiligung an UniCredit. Wie Bloomberg berichtet, sind einige ranghohe Vertreter der Regierung bereit, über eine Veräußerung des 12,7-prozentigen Staatsanteils zu sprechen – allerdings nur unter der Bedingung, dass zuvor eine Einigung über Strategie und Zukunft der Bank steht. Damit rückt ein möglicher Schlussstein der Übernahme in greifbare Nähe, nachdem die Frage der deutschen Staatsbeteiligung monatelang als politisches Nadelöhr galt.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der UniCredit bereits ohne einen einzigen zusätzlichen Aktienkauf auf 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank kommt. Die italienische Bank hatte im Juli ihr Übernahmeangebot abgeschlossen und hielt danach 47,59 Prozent der Anteile.
Durch die Einziehung eigener, zuvor zurückgekaufter Commerzbank-Aktien erhöhte sich die Stimmrechtsquote automatisch – ein technischer Effekt, der UniCredit dem Kontrollerwerb einen weiteren Schritt näherbringt, ohne dass Konzernchef Andrea Orcel dafür am Markt aktiv werden musste.
Grünes Licht der EZB als Wegbereiter
Vor gut einer Woche hatte die Europäische Zentralbank der Übernahme grundsätzlich zugestimmt, seither hat die Commerzbank-Aktie um 1,8 Prozent nachgegeben. Offen bleiben nach der EZB-Entscheidung aber noch Zustimmungen der EU-Kartellbehörden, der deutschen Außenwirtschaftsprüfung nach der Golden-Power-Regelung, der US-Notenbank Fed sowie der polnischen Finanzaufsicht.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte die entsprechenden Genehmigungen für das vierte Quartal 2026 in Aussicht gestellt, eine vollständige Kontrollübernahme durch UniCredit könnte demnach im Herbst oder spätestens Anfang Dezember erfolgen.
Auf Führungsebene deutet sich unterdessen eine pragmatischere Gangart an. Orlopp und Orcel führten bereits erste formelle Gespräche über bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen der regulatorischen Konsolidierung.
Orlopp signalisierte dabei Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen und betonte, nur ein gemeinsamer Ansatz könne Mehrwert schaffen. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann räumte Ende Juli ein, die Kräfteverhältnisse seien klar, und stellte einen konstruktiven Dialog mit den Italienern in Aussicht.
Operativ liefert die Bank weiter ab
Hinter der Übernahmefrage tritt das operative Geschäft der Commerzbank derzeit fast in den Hintergrund – dabei lieferte das Institut vor rund zwei Wochen ein Rekordergebnis: Der Nettogewinn im zweiten Quartal verdoppelte sich auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich.
Für das erste Halbjahr insgesamt stand ein Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro zu Buche, die Jahresprognose hob das Management auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Seither hat die Aktie um 1,4 Prozent zugelegt. Flankiert wurde die Zahlenvorlage von einem EZB-genehmigten Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro.
Am Freitag schloss die Commerzbank-Aktie bei 39,08 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagessicht. Damit notiert das Papier 2,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das Mitte August markiert wurde, aber weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob der Bund seine Beteiligung tatsächlich abgibt und zu welchen Konditionen – eine Antwort, die über den weiteren Fahrplan der Übernahme mitentscheiden dürfte.
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