Commerzbank Aktie: Bund offen für UniCredit-Gespräche
Die Bundesregierung zeigt sich offen für Verhandlungen über ihren Commerzbank-Anteil. Ein Deal hängt jedoch von einer Einigung der Vorstandschefs ab.

- Bund erwägt Verkauf an UniCredit
- Einigung der CEOs als Bedingung
- UniCredit hält fast 50 Prozent
- Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
Die Bundesregierung zeigt sich offen für Gespräche über einen möglichen Verkauf ihres 12,7-Prozent-Anteils an der Commerzbank an UniCredit. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine formelle Regierungsposition. Die Quellen betonen laut Bloomberg, es gebe keine Garantie, dass es überhaupt zu Gesprächen oder gar einem Geschäft kommt.
Als Bedingung für einen möglichen Verkauf nennen die Bloomberg-Quellen eine Einigung zwischen den Vorstandschefs beider Häuser, Andrea Orcel bei UniCredit und Bettina Orlopp bei der Commerzbank, auf eine gemeinsame Strategie für die Zukunft der Bank. Auch die Unterstützung des Commerzbank-Managements gilt als Voraussetzung. Ohne diese Einigung dürfte Berlin an seinem Anteil festhalten.
UniCredit steht bereits bei fast 50 Prozent
Die Ausgangslage ist for UniCredit günstig: Nach dem öffentlichen Umtauschangebot hält der italienische Konzern bereits knapp 50 Prozent an der Commerzbank. Käme der Bund als Verkäufer hinzu, würde UniCredit nach übereinstimmenden Berichten auf mehr als 60 Prozent aufstocken und damit die Kontrolle über die deutsche Bank deutlich ausbauen.
Die BaFin stuft eine Mehrheitsbeteiligung von UniCredit bereits jetzt als vollständig ein, eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank wird für September oder Oktober erwartet.
Für UniCredit-Chef Orcel wäre ein Einstieg des Bundes als Verkäufer ein weiterer Baustein im monatelangen Übernahmekampf um die Commerzbank. Für die italienische Bank selbst läuft es operativ ohnehin gut: Laut der FAZ hat UniCredit zuletzt Rekordgewinne erzielt und treibt die Commerzbank-Übernahme parallel dazu voran.
Kein fertiger Deal, aber ein Signal
Dass Berlin überhaupt über Gespräche nachdenkt, markiert einen Perspektivwechsel gegenüber der bisherigen Zurückhaltung des Bundes in der Beteiligungsfrage.
Zugleich bleibt die Lage vage: Ohne belastbare Einigung zwischen Orcel und Orlopp über die künftige Strategie der Bank bleibt der mögliche Verkauf eine Option unter mehreren, keine beschlossene Sache. Anleger sollten die Meldung entsprechend einordnen – als Signal für gestiegene Gesprächsbereitschaft, nicht als abgeschlossene Transaktion.
Am Aktienmarkt kam die Nachrichtenlage bislang moderat an: Das Papier notiert aktuell bei 39,23 Euro und damit nur 2,2 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Die Bewegung der vergangenen Wochen fällt deutlicher aus als die Reaktion auf die jüngste Meldung: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 6,9 Prozent zu Buche.
Für die Commerzbank-Aktionäre bleibt die entscheidende Frage offen, ob und wann sich Orcel und Orlopp tatsächlich auf eine gemeinsame Linie verständigen. Erst danach dürfte sich zeigen, ob aus der Gesprächsbereitschaft Berlins ein konkreter Verkaufsprozess wird oder ob der Bund seinen Anteil vorerst behält.
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