Commerzbank Aktie: Bund prüft 12,7-Prozent-Verkauf an UniCredit
Die Bundesregierung prüft offenbar den Verkauf ihrer Commerzbank-Aktien an UniCredit. Voraussetzung ist eine Einigung auf eine gemeinsame Strategie beider Institute.

- Bund prüft Anteilsverkauf an UniCredit
- Commerzbank-Aktie gibt leicht nach
- EZB-Entscheidung frühestens im Oktober
- Rekordgewinn im zweiten Quartal
Die Bundesregierung denkt einem Bericht von Bloomberg zufolge über eine Kehrtwende in der Commerzbank-Frage nach. Demnach prüft der Bund, seinen verbliebenen Anteil von 12,7 Prozent an der Bank an die italienische UniCredit zu verkaufen – vorausgesetzt, beide Institute einigen sich zuvor auf eine gemeinsame Strategie. Für die monatelange Übernahmesaga wäre das ein entscheidender Wendepunkt.
Die Aktie reagierte am heutigen Dienstag verhalten und gab um 0,9 Prozent nach, nachdem sie am Vortag noch bei 39,39 Euro geschlossen hatte. Vom 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, erreicht erst vor wenigen Tagen, trennen das Papier damit rund 2,7 Prozent. Der Kurs bleibt jedoch klar über seinen gleitenden Durchschnitten und spiegelt damit den intakten Aufwärtstrend der vergangenen Monate wider.
Orcel drängt auf operative Kontrolle
Der Zeitpunkt der möglichen Bundeskehrtwende ist kein Zufall. UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte am Montag bekräftigt, bis zum vierten Quartal 2026 die operative Kontrolle über die Commerzbank anzustreben. Die wirtschaftliche Beteiligung des italienischen Instituts, Derivate eingerechnet, wird derzeit auf rund 47,59 Prozent geschätzt. Ein Verkauf des staatlichen Anteils würde Orcel dem angestrebten Einfluss ein gutes Stück näherbringen.
Auf Seiten der Commerzbank hatte Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp am Sonntag im Rahmen der Präsentation der Halbjahreszahlen erstmals offiziell Bereitschaft zu „konstruktiven Gesprächen“ mit UniCredit signalisiert. Sie betonte, es gehe darum, im Interesse der Aktionäre Mehrwert zu schaffen – eine deutliche Verschiebung gegenüber der bisherigen Abwehrhaltung des Instituts.
Formal liegt der Fall inzwischen bei der EZB-Bankenaufsicht: Die BaFin hatte den Antrag von UniCredit auf eine Aufstockung der Beteiligung über die 30-Prozent-Schwelle Anfang August als vollständig eingestuft und weitergeleitet. Eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank wird frühestens für die zweite Oktoberhälfte erwartet. Ein Verkauf des Bundesanteils an UniCredit würde in diesem Verfahren zusätzliches Gewicht erhalten.
Solide Geschäftszahlen als Rückenwind
Die operative Basis der Commerzbank gibt den Gesprächen zusätzlichen Auftrieb. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut Rekordzahlen vorgelegt, seither hat die Aktie um 1,2 Prozent zugelegt. Der Nettogewinn im zweiten Quartal 2026 verdoppelte sich nahezu auf 898 Millionen Euro gegenüber 463 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Der Vorstand hob daraufhin die Prognose für den Nettogewinn im Gesamtjahr auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an und bekräftigte Pläne für eine Kapitalrückführung von insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Analyst Benjamin Goy von der Deutschen Bank bestätigte am 7. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 42,00 Euro und verwies auf das starke Quartal.
Daneben treibt die Bank auch operative Neuerungen voran: Kunden werden derzeit über eine Umstellung des Kreditkartenangebots informiert, wobei die Commerzbank schrittweise vom bisherigen Partner Mastercard zum Zahlungsdienstleister Visa wechselt.
Ausblick für Anleger
Für Anleger verdichten sich damit mehrere Fäden zu einem Bild: Eine finanziell erstarkte Commerzbank, ein aufsichtsrechtliches Verfahren mit Zeitplan bis in den Oktober, und nun offenbar auch politische Bewegung in Berlin.
Sollte der Bund seinen Anteil tatsächlich an UniCredit veräußern, wäre der Weg zu einer weitgehenden Kontrolle durch die Italiener deutlich kürzer. Am 1. September wird die Commerzbank bei der ODDO BHF Corporate Conference in Frankfurt auftreten – ein Termin, der weitere Signale zum Stand der Gespräche liefern könnte.
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