Commerzbank Aktie: Bund signalisiert Verkauf von 12,7 Prozent
Bund zeigt sich offen für Anteilsverkauf an UniCredit. Rekordzahlen und Aktienrückkäufe stärken Commerzbank-Position im Übernahmepoker.

- Bund erwägt Verkauf seiner Anteile
- UniCredit sichert sich Zugriff auf knapp 50 Prozent
- Commerzbank meldet Rekordgewinn im zweiten Quartal
- Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch
Die Bundesregierung bewegt sich. Medienberichten zufolge signalisiert Berlin unter Bedingungen Bereitschaft, seinen 12,7-Prozent-Anteil an der Commerzbank an die UniCredit zu verkaufen. Damit könnte der Weg frei werden für eine Aufstockung der Italiener auf über 60 Prozent und schließlich eine vollständige Übernahme des Frankfurter Instituts.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. UniCredit-Chef Andrea Orcel hat sich laut Berichten bereits Zugriff auf knapp 50 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert und treibt den Fusionsprozess sichtbar voran.
Mit einem Verkauf des Bundesanteils würde die letzte große Hürde auf dem Weg zur Kontrollmehrheit fallen. Die Aufsicht hatte sich zuvor in einer vorläufigen internen Einschätzung tendenziell positiv zur Transaktion positioniert, eine abschließende regulatorische Entscheidung steht jedoch noch aus.
Rekordquartal stärkt Verhandlungsposition
Der Zeitpunkt der politischen Signale fällt nicht zufällig mit starken Geschäftszahlen zusammen. Vor rund zwei Wochen hatte die Commerzbank Rekordzahlen vorgelegt, seither hat die Aktie um 1,4 Prozent zugelegt.
Der Nettogewinn im zweiten Quartal 2026 stieg um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro und übertraf die Analystenerwartungen von 845 Millionen Euro deutlich. Der operative Gewinn kletterte um 17 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro bei Erträgen von 3,3 Milliarden Euro.
Das Management bestätigte zudem die Jahresprognose von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn und kündigte Aktienrückkäufe von bis zu 1,2 Milliarden Euro an. Bereits Anfang August hatte die Bank ihren Ausblick für den Zinsüberschuss im Gesamtjahr angehoben. Diese Kombination aus operativer Stärke und Kapitalrückführung macht die Commerzbank für UniCredit zu einem attraktiveren, aber auch teureren Übernahmeziel.
Aktie nahe Jahreshoch, Analysten optimistisch
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 39,08 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagesbasis. Sie notiert damit nur 2,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst vor rund zehn Tagen erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 8,2 Prozent zu Buche, auch wenn die Aktie in der vergangenen Woche insgesamt 1,8 Prozent nachgab.
Anfang August hatte der Analyst Philipp Häßler von der DZ Bank sein Kursziel von 42,00 auf 46,00 Euro angehoben und die Einstufung „Kaufen“ bestätigt. Begründet wurde die Anhebung mit den starken Quartalszahlen und der aus seiner Sicht steigenden Übernahmewahrscheinlichkeit.
Cum-Ex-Anklage belastet ehemalige Mitarbeiter
Für Aufsehen sorgte am Donnerstag zudem eine Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen vier ehemalige Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften aus dem Jahr 2008. Die Bank selbst betont, an dem Verfahren nicht beteiligt zu sein.
Anlegerrelevanz dürfte das Verfahren vor allem als Reputationsthema entfalten, nicht als unmittelbares finanzielles Risiko für das laufende Übernahmeszenario.
Parallel dazu treibt die Bank operative Anpassungen voran: Das Kreditkartenangebot wird schrittweise von Mastercard auf Visa umgestellt, betroffene Kunden müssen dem Wechsel aktiv zustimmen. Am 27. August wird die Commerzbank zudem bei den Hamburger Investorentagen präsent sein – ein Termin, der angesichts der laufenden Übernahmegespräche zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten dürfte.
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