Commerzbank Aktie: EZB gibt Orcel grünes Licht
Das Treffen von Klingbeil und Orcel rückt näher, während die EZB keinen Hinderungsgrund sieht und die Commerzbank ihr Rückkaufprogramm fortsetzt.

- Klingbeil empfängt UniCredit-Chef Orcel
- EZB sieht keinen Ablehnungsgrund
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
- Rückkauf über 1,2 Milliarden Euro
Die Übernahmegeschichte der Commerzbank läuft auf einen konkreten Termin zu: Am Montag empfängt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin. Für Anleger ist dieses Gespräch der nächste greifbare Meilenstein in einem Prozess, der die Aktie seit Monaten treibt.
Reuters hatte bereits berichtet, dass die Bundesregierung auf eine Börsennotierung der Commerzbank in Deutschland drängt, während UniCredit weiter auf ein Deal-Szenario hinarbeitet. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte Anfang des Monats direkte Gespräche mit UniCredit über eine mögliche Übernahme bestätigt.
Berlin will dabei nach Reuters-Angaben den deutschen Charakter des Instituts und die Arbeitsplätze schützen – eine Position, die im bevorstehenden Treffen konkretisiert werden dürfte.
EZB sieht offenbar keinen Hinderungsgrund
Rückenwind für UniCredit kommt aus Frankfurt: Die Europäische Zentralbank kam laut Reuters in einem vertraulichen Dokument vorläufig zu der Einschätzung, es gebe „keinen Grund zur Ablehnung“ einer Kontrollübernahme der Commerzbank durch die Italiener.
Diese Einschätzung nimmt der Bundesregierung ein wichtiges Gegenargument aus der Hand und dürfte die Verhandlungsposition Berlins beim Gespräch am Montag schwächen. Zugleich bleibt offen, welche Zusagen Orcel machen muss, um politische Bedenken auszuräumen.
Der Kurs hat diese Gemengelage bereits eingepreist. Am Freitag schloss die Aktie bei 43,02 Euro und damit nur noch 0,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro – ein Signal, dass der Markt eine Einigung zunehmend für wahrscheinlich hält. Auf Jahressicht steht ein Plus von 31 Prozent zu Buche, was die Dimension der Neubewertung seit dem Auftauchen der Übernahmespekulationen unterstreicht.
Rückkaufprogramm läuft im Hintergrund weiter
Parallel zur Übernahmedebatte setzt die Commerzbank ihr Anfang September gestartetes Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro fort, seither hat die Aktie um 2,8 Prozent zugelegt.
Die zurückgekauften Aktien sollen eingezogen werden, das Programm dient laut Unternehmensangaben der Verringerung des Grundkapitals und läuft planmäßig bis spätestens 10. Februar 2027. Diese Kapitalmaßnahme läuft unabhängig vom Übernahmeprozess weiter und signalisiert, dass das Management trotz der Verhandlungen mit UniCredit an eigenständiger Kapitalrückführung festhält.
Was Anleger am Montag erwartet
Das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel dürfte zeigen, ob sich Berlin und Mailand auf Bedingungen für eine Übernahme einigen können oder ob der politische Widerstand bestehen bleibt.
Für die Aktie ist der Ausgang entscheidend: Eine konstruktive Gesprächsatmosphäre könnte die Kursrally fortsetzen, während ein erneuter Aufschub der Entscheidung zu Gewinnmitnahmen nahe dem Rekordhoch führen könnte. Anleger sollten den Montag daher als nächsten wichtigen Prüfstein im laufenden Übernahmepoker betrachten.
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