Commerzbank Aktie: EZB gibt UniCredit freie Bahn
UniCredit darf die 30-Prozent-Schwelle überschreiten; weitere Genehmigungen für knapp 50 Prozent der Stimmrechte stehen noch aus.

- EZB erlaubt Beteiligung über 30 Prozent
- Weitere Freigaben gegen Jahresende erwartet
- Commerzbank-Aktie steigt um gut ein Prozent
- Bund hält gut 13 Prozent der Anteile
Die größte aufsichtsrechtliche Hürde ist genommen. Die EZB-Bankenaufsicht erlaubt UniCredit, die Schwelle von 30 Prozent an der Commerzbank zu überschreiten und den Anteil ohne Obergrenze weiter auszubauen. Für die Italiener ist das ein wichtiger Zwischenschritt. Überraschend kam er nicht.
Was die Genehmigung konkret bedeutet
UniCredit hatte die Entscheidung am Donnerstagabend mitgeteilt. Damit dürfen die Mailänder die Commerzbank-Aktien, die sie sich im Sommer über ein Tauschangebot gesichert hatten, tatsächlich gegen eigene Anteile eintauschen. Das Angebot für sämtliche Commerzbank-Aktien hatte die Bank im Mai vorgelegt. Es sicherte ihr Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile, teils auch indirekt über komplexe Finanzgeschäfte.
Nach Abschluss der noch offenen Verfahren steigt der Anteil von knapp 30 auf fast 50 Prozent der Stimmrechte. Die weiteren Genehmigungen erwartet UniCredit gegen Jahresende. Dann will sie die Kontrolle übernehmen. Wie sie das im Detail erreichen will, ließ die Bank offen.
Zusätzlich kann UniCredit nun weitere Aktien frei am Markt kaufen. Ein neues Angebot wäre denkbar, würde wegen der üblichen Übernahmeprämie aber teuer.
Börse reagiert freundlich, Bund bleibt Faktor
Die Commerzbank-Aktie legte kurz nach Handelsstart um gut ein Prozent auf 38,09 Euro zu. Auch die UniCredit-Aktie gewann rund ein Prozent. Die EZB hatte grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum wiederholt befürwortet, die Freigabe war deshalb eingepreist.
Die Analystenschätzungen liegen derzeit zwischen 38 und 42 Euro. Sechs von sieben Häusern raten zum Halten, was auf wenig Kurspotenzial über dem aktuellen Niveau hindeutet.
Politisch bleibt der Bund relevant. Er hält gut 13 Prozent und will betriebsbedingte Kündigungen bei den rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst vermeiden. Zudem soll die Commerzbank börsennotiert in Frankfurt bleiben und ihr Mittelstandsgeschäft fortführen. UniCredit sieht dagegen Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive eines Abbaus Tausender Stellen. Beide Seiten sprechen inzwischen über einen möglichen Zusammenschluss.
Der nächste greifbare Termin liegt gegen Jahresende. Dann sollen die verbleibenden Verfahren abgeschlossen sein und UniCredit rund 50 Prozent der Stimmrechte halten.
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