Commerzbank Aktie: EZB neigt zu UniCredit-Genehmigung über 30 Prozent

EZB zeigt sich offen für UniCredits Commerzbank-Einstieg. Der Bund könnte als Mehrheitsgarant entscheidend werden, während die Bank ihre Ziele anhebt.

Die Kernpunkte:
  • EZB signalisiert Zustimmung zu UniCredit
  • Bundesanteil von 12,7 Prozent entscheidend
  • Commerzbank verdoppelt Gewinn im Q2
  • Aktie nahe 52-Wochen-Hoch notiert

Der Übernahmekampf um die Commerzbank rückt einer Entscheidung näher. Die Europäische Zentralbank neigt einem internen Dokument zufolge dazu, den Antrag von UniCredit auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an der Commerzbank zu genehmigen. Die Behörde warnte in ihrer Einschätzung an das Supervisory Board allerdings vor einem „herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess“, sollte es tatsächlich zum Zusammenschluss kommen.

Formal hatte die BaFin bereits Anfang August die Vollständigkeit des UniCredit-Antrags bestätigt und ihn zur endgültigen Bewertung an die EZB weitergereicht. UniCredit wartet seither auf die regulatorische Freigabe für rund 18 Prozent an Commerzbank-Aktien, die aus der im Juli abgeschlossenen Angebotsfrist stammen.

Damals hatten rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktionäre das Umtauschangebot angenommen, wodurch UniCredit auf etwa 47,6 Prozent der Anteile kam. Eine EZB-Genehmigung würde die Beteiligung auf knapp unter 50 Prozent hieven.

Bund als Zünglein an der Waage

Damit rückt die Beteiligung des Bundes von 12,7 Prozent an der Commerzbank endgültig ins Zentrum. Ein Verkauf dieses Anteils an UniCredit würde deren Position auf über 60 Prozent hieven und dem italienischen Institut eine stabile Mehrheitskontrolle sichern.

Vergangenen Sonntag hatte die Bundesregierung entsprechende Signale gesendet – seither hat die Aktie um 1,2 Prozent zugelegt. Eine formale Regierungsposition oder eine Garantie für Gespräche gibt es aber weiterhin nicht; Bedingung bleibt eine gemeinsame Strategie beider Banken, getragen vom amtierenden Commerzbank-Management.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das erste formale Gespräch zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-CEO Andrea Orcel nach der Vorlage der Halbjahreszahlen an Bedeutung. Beide Seiten diskutierten dabei bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen der regulatorischen Konsolidierung – ein Zeichen, dass die operative Annäherung parallel zum politischen Prozess voranschreitet.

Zahlen liefern Rückenwind

Die fundamentale Basis für Verhandlungen ist ohnehin stark. Im zweiten Quartal verdoppelte die Commerzbank ihr Nettoergebnis nahezu auf 898 Millionen Euro, nach 462 Millionen Euro im Vorjahr. Für das Gesamtjahr hob das Institut die Guidance auf mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis an, zuvor waren mehr als 3,2 Milliarden Euro anvisiert.

Mit der neuen Strategie „Momentum 2030″ strebt die Bank bis zum Ende des Jahrzehnts eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent sowie eine Ausschüttungsquote von 100 Prozent an, sobald die CET-1-Zielquote von 13,5 Prozent erreicht ist.

Der DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler erhöhte sein Kursziel Mitte August von 42 auf 46 Euro und bestätigte seine Kaufempfehlung – wobei er eine Übernahme durch UniCredit bereits als Basisszenario einpreist. Am Tag der Quartalszahlen hatte auch RBC Capital Markets die Einstufung „Outperform“ mit Kursziel 43 Euro bekräftigt.

An der Börse notiert die Commerzbank-Aktie aktuell bei 39,50 Euro und damit nur 1,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 9,4 Prozent zu Buche. Der Markt scheint die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übernahme zunehmend hoch einzupreisen, ohne dabei euphorisch überzuschießen – ein Zeichen dafür, dass Anleger die regulatorischen und politischen Unwägbarkeiten weiterhin ernst nehmen.

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