Commerzbank Aktie: EZB prüft UniCredit-Aufstockung über 30 Prozent

EZB startet Prüfung der UniCredit-Beteiligung an der Commerzbank. Die Bundesregierung erwägt eine Sperrminorität, während die Bank eigene ehrgeizige Ziele verfolgt.

Die Kernpunkte:
  • EZB prüft UniCredit-Anteilsaufstockung
  • Bund erwägt Sperrminorität von 25 Prozent
  • Orlopp und Orcel treffen sich virtuell
  • Commerzbank-Aktie nahe Rekordhoch

Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt am Mittwoch in eine neue Phase. Die Europäische Zentralbank hat die regulatorische Prüfung des Antrags von UniCredit auf Aufstockung ihrer Beteiligung über 30 Prozent offiziell aufgenommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte die eingereichten Unterlagen zuvor als vollständig eingestuft. Damit rückt eine Entscheidung über die Zukunft des Frankfurter Institutes näher, auch wenn ein Ergebnis der Prüfung noch offen ist.

Parallel dazu bahnt sich am Donnerstag ein Treffen an, das die Anleger seit Wochen erwarten: Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel kommen zu einem ersten offiziellen Gipfelgespräch per Videokonferenz zusammen. Der Termin fällt bewusst oder zufällig mit der Veröffentlichung des Zwischenberichts für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 zusammen, die für 9:00 Uhr angesetzt ist. Anleger dürften an diesem Tag also gleich zwei Nachrichtenstränge verfolgen – die operative Entwicklung des Konzerns und den Stand der Übernahmegespräche.

Berlin erwägt Sperrminorität, Weidmann setzt Bedingungen

Die politische Dimension des Übernahmepokers hat sich zugleich verschärft. Nach Berichten von Bloomberg und der Corriere della Sera prüft die Bundesregierung, ihren Anteil an der Commerzbank von derzeit rund 12 Prozent auf eine Sperrminorität von 25 Prozent aufzustocken. Ziel wäre es, eine feindliche Übernahme durch UniCredit zu erschweren. Der Bund war im Zuge der Finanzkrise bei der Commerzbank eingestiegen und hat seine Beteiligung seither immer wieder als strategisches Instrument behandelt.

Aufsichtsratsvorsitzender Jens Weidmann hatte am Dienstag grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft mit UniCredit signalisiert, wie dpa berichtete. Er knüpfte mögliche Gespräche jedoch an klare Bedingungen: den Erhalt der rund 39.000 Arbeitsplätze in Deutschland und die langfristige Sicherung Frankfurts als operativen Hauptsitz. Diese Haltung zeigt, dass der Aufsichtsrat eine Fusion nicht grundsätzlich ausschließt, aber hohe Hürden für die italienische Bank aufstellt.

UniCredit selbst hatte nach Abschluss der zusätzlichen Annahmefrist ihres Übernahmeangebots Anfang Juli insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt. Nach Angaben der Commerzbank entfielen davon weniger als 2 Prozent auf unabhängige institutionelle Investoren – ein Hinweis darauf, dass ein Großteil der Zustimmung aus dem eigenen UniCredit-Lager oder verbundenen Strukturen stammte und der Rückhalt am freien Kapitalmarkt bislang begrenzt blieb.

Ambitionierte Ziele als Signal der Eigenständigkeit

Während die Übernahmefront in Bewegung bleibt, treibt das Management seine eigenen Pläne voran. S&P Global Ratings bewertete am Montag die im Rahmen der Strategie „Momentum 2030“ angehobenen Finanzziele – darunter eine angestrebte Nettoeigenkapitalrendite von über 21 Prozent bis 2030 – als ambitioniertes Signal für die Eigenständigkeit der Bank. Die Commerzbank hatte bereits im Mai ihre Prognose für die Nettoeigenkapitalrendite im laufenden Geschäftsjahr von 11,2 auf 12,0 Prozent angehoben, nachdem sie im ersten Quartal 2026 einen Wert von 12,7 Prozent erreicht hatte.

Auch die Kapitalrückführung an die Aktionäre nimmt Fahrt auf. Die Hauptversammlung im Mai billigte eine Dividende von 1,10 Euro pro Aktie für das Geschäftsjahr 2025, nach 0,65 Euro im Vorjahr, und erteilte eine neue Ermächtigung für weitere Aktienrückkäufe. Im März hatte die Bank bereits ein Rückkaufprogramm mit einem Volumen von rund 524 Millionen Euro abgeschlossen, bei dem rund 15,6 Millionen eigene Aktien zu einem Durchschnittspreis von 33,45 Euro erworben wurden.

Kurs nahe Rekordniveau

Die Aktie notiert aktuell bei 39,35 Euro und liegt damit nur knapp ein Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,75 Euro, das erst am Dienstag markiert wurde. Am heutigen Mittwoch legt das Papier moderat um 0,18 Prozent zu. Der Titel spiegelt damit die Erwartungshaltung der Anleger vor den morgigen Quartalszahlen und dem Treffen der beiden Bankchefs wider. Wie stark sich die politische Debatte um eine mögliche Aufstockung der Staatsbeteiligung auf die Kursentwicklung auswirkt, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.

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