Commerzbank Aktie: EZB prüft UniCredit-Aufstockung
Die BaFin hat den UniCredit-Antrag zur Commerzbank-Aufstockung an die EZB übergeben. Die Prüfung startet, während die Bank Rekordzahlen meldet.

- BaFin leitet Antrag an EZB weiter
- Commerzbank meldet Rekordquartal mit Gewinnsprung
- Neues Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro
- Analysten sehen Übernahme als Basisszenario
Die BaFin hat den Antrag von UniCredit auf eine Aufstockung ihrer Commerzbank-Beteiligung über 30 Prozent am Mittwoch als formal vollständig eingestuft. Die deutsche Finanzaufsicht leitete den Antrag zur finalen Prüfung an die Europäische Zentralbank weiter, wie Bloomberg berichtete. Damit beginnt eine 60-tägige Entscheidungsfrist, an deren Ende die EZB über die Kontrollfrage bei der Commerzbank entscheidet.
Anleger reagierten darauf verhalten. Commerzbank-Aktien schlossen am Freitag bei 39,07 Euro, ein Plus von 1,35 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das die Aktie am Tag der Rekordzahlen vergangenen Donnerstag markierte, trennen das Papier nur noch 1,96 Prozent.
Rekordquartal und bestätigte Prognose
Auslöser der jüngsten Kursstärke war der Gewinnsprung, den die Bank am vergangenen Donnerstag vorlegte: Das Nettoergebnis kletterte im zweiten Quartal auf 898 Millionen Euro, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts von 462 Millionen Euro. Zugleich kündigte das Institut ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro an. Vorstandschefin Bettina Orlopp signalisierte erstmals Bereitschaft zu „konstruktiven Gesprächen“ über eine Übernahme durch UniCredit.
Der Vorstand bestätigte zugleich die Jahresprognose. Für 2026 peilt die Commerzbank ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an, nach zuvor mehr als 3,2 Milliarden Euro, sowie eine Eigenkapitalrendite von über 12 Prozent. Die angehobene Zielmarke unterstreicht, dass das Management trotz der schwebenden Übernahmefrage auf eigene operative Stärke setzt.
Analysten sehen Übernahme als Basisszenario
Deutsche Bank Research bestätigte nach der Zahlenvorlage am Donnerstag ihr Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 42 Euro. Analyst Benjamin Goy lobt die operative Stärke, verweist aber auf eine schwächere Dynamik im Provisionsgeschäft. Am Samstag hob die DZ Bank ihren fairen Wert auf 46 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“. Analyst Philipp Häßler begründet den Schritt mit den über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen und nennt eine vollständige Übernahme durch UniCredit inzwischen als Basisszenario. Beide Häuser gehen damit von einer Fortsetzung des Konsolidierungsprozesses aus, auch wenn der Ausgang der EZB-Prüfung offen bleibt.
Widerstand bei Aktionären schwindet
Der aktuelle Prüfprozess der EZB baut auf einem gescheiterten ersten Versuch von UniCredit auf. Nach Ablauf der offiziellen Annahmefrist für ihr Umtauschangebot am 8. Juli hatten lediglich 2,7 Prozent der unabhängigen institutionellen und privaten Aktionäre ihre Aktien angedient. UniCredit verfolgt seither den Weg über eine direkte Aufstockung der Beteiligung.
Die Bundesregierung hält an ihrem verbliebenen Anteil von 12,7 Prozent fest, zeigt sich einer europäischen Konsolidierungslösung gegenüber aber vor gut einer Woche zunehmend aufgeschlossen, wie Insiderberichte laut FINANCE Magazin nahelegen. Für Anleger bleibt damit die politische Komponente neben der aufsichtsrechtlichen Prüfung der zweite entscheidende Faktor. Sollte die EZB innerhalb der 60-tägigen Frist grünes Licht geben, dürfte sich die Debatte über eine vollständige Übernahme weiter zuspitzen – gestützt durch operative Zahlen, die selbst kritische Analysten inzwischen überzeugen.
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