Commerzbank Aktie: EZB warnt vor Integration

Die EZB warnt vor einem langwierigen Integrationsprozess bei der Commerzbank-Übernahme. Der Bund plant den Verkauf seiner Anteile, während UniCredit die Kontrollmehrheit anstrebt.

Die Kernpunkte:
  • EZB warnt vor langwieriger Integration
  • Bund plant Verkauf seiner Anteile
  • Commerzbank meldet Rekordgewinn im Q2
  • Aktie bleibt nahe am 52-Wochen-Hoch

Die Europäische Zentralbank hat sich nach Medienberichten intern zur geplanten Übernahme der Commerzbank durch UniCredit geäußert. Grundsätzliche Bedenken gegen den Zusammenschluss bestehen demnach nicht. Allerdings warnt die Aufsichtsbehörde vor einem „herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess“ – eine Einschätzung, die am Wochenende bekannt wurde und die Übernahmepläne in ein neues Licht rückt.

Die Warnung fällt in eine Phase, in der sich die Übernahme sichtbar konkretisiert. Die Bundesregierung hatte bereits am Wochenende signalisiert, ihre verbliebene Beteiligung von 12,7 Prozent an UniCredit verkaufen zu wollen – eine Kehrtwende nach monatelangem Widerstand gegen die Übernahmepläne.

Sollte der Bund seine Anteile tatsächlich abgeben, würde die Beteiligung von UniCredit an der Commerzbank von derzeit rund 47,6 Prozent auf mehr als 60 Prozent der Stimmrechte steigen. Damit wäre der italienische Konkurrent seinem Ziel einer klaren Kontrollmehrheit deutlich nähergekommen.

Operative Stärke als Verhandlungsargument

Für die Commerzbank-Führung um Vorstandschefin Bettina Orlopp kommt die EZB-Einschätzung zu einem Zeitpunkt, an dem das operative Geschäft ihre Verhandlungsposition stärkt. Vor rund zwei Wochen hatte die Bank Rekordzahlen vorgelegt: Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn auf 898 Millionen Euro, ein Plus von 94 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das erste Halbjahr summierte sich der Gewinn auf 1,81 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 40 Prozent. Das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Gewinn und einer Eigenkapitalrendite von 12 Prozent bestätigte das Institut. Unmittelbar nach der Zahlenvorlage hatten Orlopp und die UniCredit-Führung in einer Videokonferenz offiziell den Auftakt für Integrationsverhandlungen gesetzt.

Parallel zu den Übernahmegesprächen treibt die Commerzbank ihr Aktienrückkaufprogramm voran, das ein Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro umfasst und nach eigenen Angaben der Sicherung der Unabhängigkeit sowie der Steigerung des Aktionärswerts dienen soll.

Am Donnerstag veröffentlichte die Bank einen entsprechenden Eigenkapitalrückkauf nach Wertpapierhandelsgesetz. Die Frage, ob dieses Programm angesichts der fortschreitenden Übernahme noch seinen ursprünglichen Zweck erfüllen kann, dürfte Investoren in den kommenden Wochen beschäftigen.

Kurs pendelt nahe am Zehnjahreshoch

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Übernahmefantasie und regulatorischer Unsicherheit in einer volatilen, aber insgesamt robusten Kursentwicklung. Die Aktie schloss am Freitag bei 39,08 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagessicht.

Seit dem Erreichen der EZB-Genehmigung vor gut einer Woche hat das Papier um 1,8 Prozent nachgegeben, bleibt damit aber nur 2,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 8,2 Prozent im Plus.

Die Warnung der EZB vor einem langwierigen Integrationsprozess dürfte kurzfristig kaum an der grundsätzlichen Übernahmefantasie rütteln, mahnt aber zur Vorsicht bei den Erwartungen an einen schnellen Abschluss. Für Anleger bleibt entscheidend, wie sich der angekündigte Verkauf der Bundesbeteiligung konkret vollzieht und welche Bedingungen die EZB an eine finale Freigabe knüpft.

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