Commerzbank Aktie: Firmenkunden-Revolte?
Drei Viertel der Befragten lehnen die Übernahmepläne ab; die Deutsche Bank bemüht sich um Firmenkunden der Commerzbank.

- 75 Prozent bewerten Übernahmepläne negativ
- 79 Prozent der Hausbankkunden sind kritisch
- Viele Unternehmen prüfen ihre Bankbeziehungen
- Deutsche Bank will Firmenkunden gewinnen
Die geplante Übernahme der Commerzbank durch UniCredit stößt bei deutschen Finanzverantwortlichen auf erhebliche Vorbehalte. Das zeigt eine gestern veröffentlichte Befragung von FINANCE und F.A.Z. Für Anleger rückt damit neben den Genehmigungsverfahren ein geschäftliches Risiko in den Blick: Verunsicherte Firmenkunden könnten ihre Bankverbindungen überprüfen, während Wettbewerber bereits Interesse an ihnen zeigen.
Hausbankkunden besonders kritisch
An der Befragung nahmen 334 Finanzverantwortliche deutscher Unternehmen teil. Insgesamt bewerten 75 % die Übernahmepläne negativ. Unter Unternehmen mit der Commerzbank als Hausbank liegt dieser Anteil bei 79 %.
Die besonders kritische Haltung der Hausbankkunden ist für die Commerzbank relevant. Sie betrifft gerade jene Unternehmen, für die das Institut eine zentrale Bankverbindung darstellt. Die Befragung beschreibt allerdings Erwartungen und Vorbehalte – keinen bereits eingetretenen breiten Kundenverlust.
Zugleich hat die Ablehnung zugenommen. Im Herbst 2024 bewerteten 67 % der Befragten die Übernahme negativ, im Frühjahr 2026 waren es 71 %. Die Skepsis hat sich damit über mehrere Befragungszeitpunkte verstärkt.
Betreuung und Finanzierung im Fokus
Die Sorgen reichen über die Eigentümerfrage hinaus. Für die betroffenen Unternehmen geht es vor allem darum, wie eine Neuordnung ihre Betreuung und den Zugang zu Finanzierung verändern könnte. Darin liegt die Verbindung zwischen der Übernahmedebatte und dem operativen Geschäft der Commerzbank.
Bei einer Restrukturierung erwarten 70 % Änderungen ihrer Bankbeziehung oder Betreuung. Gut ein Drittel rechnet mit höheren Finanzierungskosten, 30 % mit weniger Wettbewerb.
Nicht jede Befürchtung führt unmittelbar zu einem Wechsel. Die Antworten zeigen jedoch, dass Unternehmen ihre Alternativen prüfen. Für die Commerzbank wird deshalb wichtig, ob sie ihre Kunden auch während der Übernahmedebatte von der Verlässlichkeit ihrer Betreuung überzeugen kann.
Bereits 64 % der Befragten haben ihre Bankenpolitik geändert. Jeweils 15 % haben zusätzliche Banken angefragt oder berichten schon von direkten Auswirkungen. Diese Angaben beziehen sich auf die befragten Unternehmen insgesamt, nicht ausschließlich auf Commerzbank-Kunden.
Deutsche Bank wirbt um Firmenkunden
Der Wettbewerb um diese Beziehungen ist nicht nur theoretisch. Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Alexander von zur Mühlen will Commerzbank-Firmenkunden gewinnen, besonders international tätige Mittelständler. Voraussetzung seiner Überlegung ist, dass eine UniCredit-Übernahme den Wettbewerb oder das Angebot an Auslandsdiensten verringert.
Für Commerzbank-Anleger ergänzt das die Übernahmefrage um einen operativen Maßstab: Entscheidend ist nicht allein, wer künftig die Kontrolle ausübt. Ebenso wichtig ist, ob Kundenbeziehungen während des Prozesses stabil bleiben. Die Befragung belegt bislang vor allem wachsende Skepsis und eine Überprüfung der Bankenpolitik – Wettbewerber versuchen bereits, daraus Geschäft zu gewinnen.
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