Commerzbank Aktie: Frist läuft ab, Ton wird rauer

UniCredit droht mit Austausch des Commerzbank-Vorstands. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße im Übernahmeverfahren vor.

Die Kernpunkte:
  • UniCredit droht mit Vorstandswechsel
  • Streit um angediente Aktienanteile
  • Bafin in Regulierungsstreit eingeschaltet
  • Angebotsfrist endet heute

Heute endet die Annahmefrist für das Übernahmeangebot der UniCredit — und die letzten Stunden vor dem Ablauf waren alles andere als ruhig. Der Konflikt zwischen Mailand und Frankfurt hat eine neue Schärfe erreicht, die weit über das übliche M&A-Geplänkel hinausgeht.

Drohung mit dem Vorstand-Rauswurf

UniCredit hat am Montag offen damit gedroht, den gesamten Commerzbank-Vorstand auszutauschen. Der Mechanismus: Mit ausreichender Hauptversammlungs-Mehrheit könnte UniCredit sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat neu besetzen — und der wiederum ist für die Vorstandsbestellung zuständig. Die Botschaft in Richtung Bettina Orlopp war unverkennbar.

Orlopp konterte auf dem „Euro Finance Summit“ in Frankfurt. Den entsprechenden Passus aus der UniCredit-Mitteilung nannte sie „bemerkenswert“ — und wies darauf hin, dass die Mailänder stets betont hatten, das Angebot solle gerade keine Kontrolle begründen. Ihren Standpunkt fasste sie knapp zusammen: Die Aktionäre sollen entscheiden. Und die hätten Anrecht auf eine Prämie, die das aktuelle Angebot nicht liefere.

Streit um angediente Aktien

Neben dem Machtkampf auf Vorstandsebene tobt ein handfester Regulierungsstreit. UniCredit meldete zuletzt, dass ihr mit Stand 12. Juni rund 11,86 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient wurden — zusammen mit dem bereits gehaltenen Direktanteil von 26,8 Prozent käme sie damit klar über die 30-Prozent-Schwelle.

Die Commerzbank bestreitet die wirtschaftliche Substanz dieser Zahlen. Sie verweist auf auffällig gestiegene Wertpapierleihe-Aktivitäten und bezweifelt, ob die andienenden Parteien die Aktien tatsächlich wirtschaftlich besitzen. Die Bafin ist eingeschaltet — und inzwischen hat UniCredit seinerseits die Aufsicht aufgefordert, das Verhalten der Commerzbank zu untersuchen. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, das Verfahren zu untergraben.

Pikant ist dabei die ökonomische Logik: Das UniCredit-Angebot liegt deutlich unter dem aktuellen Commerzbank-Kurs. Für unabhängige Aktionäre wäre die Andienung also ein Verlustgeschäft — was die Frage aufwirft, wer da eigentlich andient und warum.

Was nach dem Fristende kommt

Das Angebot läuft heute aus, kann aber bis Anfang Juli verlängert werden. Ein Rückzug, eine Verlängerung oder ein Durchbruch — alle drei Szenarien sind offen. Der Bund hält weiterhin Anteile an der Commerzbank und hat vertraglich das Recht, zwei Aufsichtsratsvertreter zu benennen, solange er Aktionär ist. Das begrenzt UniCredits Gestaltungsspielraum auch bei einer möglichen HV-Mehrheit.

Orlopp signalisierte zwar Gesprächsbereitschaft — aber nur unter ihren Bedingungen. Wie das ausgeht, entscheidet sich vermutlich nicht heute Nacht, sondern in den Wochen danach: bei der Bafin, auf zukünftigen Hauptversammlungen und an den Verhandlungstischen, die bislang leer geblieben sind.

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