Commerzbank Aktie: Fusionsmodell bleibt unbeschlossen

UniCredit hält fast 50 Prozent an der Commerzbank, während Berlin Bedingungen formuliert und ein Fusionsmodell weiterhin offen diskutiert wird.

Die Kernpunkte:
  • Bund besitzt gut zwölf Prozent
  • UniCredit nähert sich 50 Prozent
  • Fusionsmodell bleibt bislang unbeschlossen
  • Bank of America bestätigt UniCredit-Kaufempfehlung

Die Bundesregierung verhandelt aus einer schwächeren Position, als ihr lieb ist. Ein früherer Verkauf von 4,5 Prozent der Commerzbank-Anteile unter der Vorgängerregierung von Olaf Scholz und Christian Lindner öffnete UniCredit-Chef Andrea Orcel erst die Tür zum heutigen Beteiligungsaufbau. Das berichtet das Handelsblatt und ordnet damit ein, warum Berlin nun mit Bedingungen statt mit einer Sperrminorität in die Gespräche geht.

Nach dem Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil mit Orcel am Montag in Berlin richtet sich der Blick auf die Frage, welche Hebel dem Bund überhaupt noch bleiben.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie gab am heutigen Dienstag um 1,3 Prozent auf 42,07 Euro nach, nachdem das Papier zuvor bis auf 43,12 Euro geklettert war – nur 2,4 Prozent unter diesem 52-Wochen-Hoch notiert die Aktie damit weiterhin. Der Rücksetzer relativiert sich, gemessen an den gut 27 Prozent Kursplus der vergangenen zwölf Monate.

Der Bund hält gut 12 Prozent, UniCredit fast 50

Die Ausgangslage bleibt klar zugunsten der Italiener: UniCredit hat seinen Anteil über Aktien und Optionen auf knapp 50 Prozent hochgezogen, der Bund kommt nach eigenen Angaben nur noch auf gut 12 Prozent. Dieser Rest-Anteil stammt aus der Rettung der Commerzbank während der Finanzkrise und sichert Berlin zwar Aufsichtsratssitze, aber keine Sperrminorität mehr.

Klingbeils Forderungen – Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, Fortführung des Mittelstandsgeschäfts, eine eigenständige Commerzbank AG mit Sitz in Frankfurt – sind vor diesem Hintergrund eher Verhandlungsmasse als Vetorecht.

Ein Fusionsmodell, das noch nicht beschlossen ist

In Marktkreisen kursiert seit einiger Zeit ein Szenario, das über die reine Übernahme hinausgeht: eine umgekehrte Fusion, bei der die HypoVereinsbank in die Commerzbank eingebracht würde.

UniCredit käme in diesem Modell auf einen Anteil von rund 70 Prozent, der Bund würde auf etwa 8 Prozent verwässert. Beobachter beziffern mögliche Effekte auf die Kernkapitalquote mit 20 bis 40 Basispunkten und potenzielle Vorsteuer-Synergien mit rund 2 Milliarden Euro.

Zu betonen ist: Es handelt sich um ein am Markt diskutiertes Konstrukt, nicht um eine beschlossene oder von der Bundesregierung gebilligte Struktur. Berlin hat bislang lediglich Bedingungen formuliert, aber keiner Übernahme oder Fusion zugestimmt.

Genau diese Schwebe prägt die aktuelle Nachrichtenlage. Klingbeil selbst sprach nach dem Gespräch mit Orcel von einem „konstruktiven ersten Austausch“, ohne inhaltliche Zugeständnisse zu machen. Orcel formulierte ähnlich vorsichtig, man suche einen Weg, der für alle Beteiligten funktioniere. Beide Seiten signalisieren Gesprächsbereitschaft, ohne sich festzulegen – ein Muster, das sich durch die gesamte bisherige Auseinandersetzung zieht.

Analysten bleiben bei UniCredit optimistisch

Für die Commerzbank-Aktie selbst dürfte der Fusionspoker mittelfristig richtungsweisend bleiben. Die Bank of America hat unterdessen ihre Kaufempfehlung für UniCredit mit einem Kursziel von 113 Euro bekräftigt – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Investorengemeinde von einem für die Italiener vorteilhaften Ausgang ausgeht.

Für Commerzbank-Aktionäre bleibt entscheidend, ob der Bund seine drei Kernforderungen – Börsennotierung, Standort Frankfurt, Mittelstandsfokus – tatsächlich durchsetzen kann, oder ob am Ende ein Modell steht, das seinen Einfluss weiter schmälert.

Mit gut 46 Milliarden Euro Marktkapitalisierung und einer Volatilität von 21 Prozent auf Sicht von 30 Tagen bleibt die Aktie ein Fall für Anleger mit Nerven.

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