Commerzbank Aktie: Gewinnziel auf 3,4 Mrd. Euro erhöht
Bundesregierung lenkt bei Commerzbank-Übernahme ein. UniCredit hält knapp 45 Prozent, S&P senkt Ausblick, Bank hebt Prognose an.

- Politische Wende in Berlin signalisiert
- UniCredit kontrolliert knapp 45 Prozent
- S&P senkt Ausblick auf stabil
- Commerzbank hebt Gewinnprognose an
Die Bundesregierung stellt sich laut Bloomberg auf konkrete Gespräche mit UniCredit über eine Übernahme der Commerzbank ein. Bundeskanzler Merz signalisierte öffentlich, eine Fusion nicht mehr verhindern zu wollen. Damit rückt ein Szenario näher, das die Commerzbank seit Monaten begleitet – und das nun eine neue politische Dimension erhält.
Merz öffnet die Tür, UniCredit hält die Mehrheit
Der Kurswechsel des Kanzlers markiert einen Bruch mit der bisherigen Zurückhaltung Berlins gegenüber den italienischen Ambitionen. UniCredit kontrolliert nach Abschluss der weiteren Annahmefrist ihres Übernahmeangebots am 3. Juli rechnerisch 44,37 Prozent der Commerzbank-Anteile. Über Derivate besteht zusätzlich Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Aktien. Damit bewegt sich die italienische Bank weiter auf eine faktische Kontrolle zu, ohne bislang die formale Mehrheitsschwelle überschritten zu haben.
Das eigentliche Umtauschangebot lief zuvor deutlich zurückhaltender an: Nach Angaben der Commerzbank-Investor-Relations wurden während der Angebotsfrist lediglich 17,60 Prozent der Aktien angedient. Unter unabhängigen institutionellen Investoren lag die Annahmequote sogar unter 2 Prozent. Der Großteil der von UniCredit gehaltenen Anteile stammt demnach aus Marktkäufen und nicht aus dem Umtauschangebot selbst – ein Hinweis darauf, dass viele Aktionäre auf einen höheren Preis oder eine politische Lösung gesetzt haben, wie sie sich nun mit den angekündigten Verhandlungen abzeichnet.
S&P reagiert mit vorsichtigerem Ausblick
Die Ratingagentur S&P Global Ratings hat bereits reagiert. Sie senkte den Ausblick für die Commerzbank von „positiv“ auf „stabil“, bestätigte aber das Langfristrating mit „A“. Begründet wird der Schritt laut Dow Jones Newswires mit dem Risiko, dass die Commerzbank im Falle einer Mehrheitsübernahme durch UniCredit ihre eigenständigen Risikopuffer verlieren könnte. Die Entscheidung fiel noch vor der jüngsten politischen Kehrtwende und zeigt, dass die Ratingagentur die Integrationsdynamik bereits einpreist, unabhängig vom konkreten Verhandlungsausgang.
Operativ liefert die Bank trotzdem ab
Unabhängig von der Übernahmefrage präsentiert sich das operative Geschäft robust. Die Commerzbank hat ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben: Statt der bisherigen Zielmarke von mehr als 3,2 Milliarden Euro soll das Nettoergebnis nun mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen. Für die Jahre 2026 bis 2028 kündigte das Institut zudem eine Ausschüttungsquote von nahezu 100 Prozent des Gewinns nach AT1-Kupons an, verteilt über Dividenden und Aktienrückkäufe. Diese Ankündigung dürfte die Attraktivität der Aktie auch unabhängig vom Übernahmepoker stützen und liefert Argumente für Aktionäre, die auf eine eigenständige Zukunft der Bank setzen. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 will das Institut am 6. August veröffentlichen – ein Termin, der angesichts der politischen Gemengelage besondere Aufmerksamkeit erhalten dürfte.
Kurs unter Druck, Bewertung bleibt hoch
An der Börse macht sich die Unsicherheit bemerkbar. Am Freitag schloss die Aktie bei 36,66 Euro, ein Tagesminus von 3,25 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,03 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 39,18 Euro, erreicht erst Mitte Juli, notiert das Papier mittlerweile 6,43 Prozent entfernt. Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der Wert auf Zwölfmonatssicht mit einem Plus von 29,22 Prozent klar im Aufwärtstrend, was die Marktkapitalisierung von aktuell 42,80 Milliarden Euro unterstreicht. Ein automatisierter Performance-Check hat die Aktie wegen der jüngsten Kursverluste im eigenen Ranking bereits herabgestuft – ein Signal, das angesichts der laufenden politischen Weichenstellungen jedoch nur begrenzte Aussagekraft besitzt. Entscheidend für die weitere Kursrichtung wird sein, wie konkret sich die angekündigten Gespräche zwischen Berlin und UniCredit in den kommenden Wochen ausgestalten.
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