Commerzbank Aktie: Klingbeil nennt Orcel-Gespräche konstruktiv
Die Bank kaufte eigene Aktien zurück; UniCredits Angebot ist noch nicht abgeschlossen, während JPMorgan seine Prognosen leicht anhob.

- Rückkauf von knapp drei Millionen Aktien
- UniCredit erhielt EZB-Freigabe für Beteiligungsausbau
- Angebotsabschluss bleibt für Jahresende erwartet
- JPMorgan hob Schätzungen für 2027 und 2028 leicht an
Bei der Commerzbank laufen Kapitalrückführung und die mögliche Übernahme durch UniCredit parallel. Der am 12. Oktober gemeldete Aktienrückkauf dokumentiert die laufende Rückführung von Kapital an die Aktionäre. Für die Bewertung der Aktie zählen daneben die Bedingungen eines Kontrollwechsels und die Frage, wann höhere Zinsen das Ergebnis stärker stützen. Eine regulatorische Freigabe allein beantwortet diese Fragen nicht.
Rückkauf als eigenständiger Faktor
Vom 5. bis einschließlich 9. Oktober kaufte die Commerzbank 2.987.942 eigene Aktien zurück. Seit dem 4. September summierte sich das Rückkaufvolumen damit auf 11.114.083 Aktien.
Der Rückkauf ist von den Übernahmegesprächen zu unterscheiden: Hier erwirbt die Bank eigene Aktien. Bei UniCredit geht es dagegen um den Ausbau der Beteiligung und die Kontrolle über das Institut. Beide Vorgänge betreffen die Eigentümerstruktur, haben aber unterschiedliche Voraussetzungen und Konsequenzen.
Für Anleger lohnt deshalb eine getrennte Betrachtung. Der Rückkaufbericht beziffert bereits ausgeführte Käufe. Die Übernahmethematik umfasst dagegen weiterhin regulatorische Schritte und Bedingungen für den Abschluss des Angebots.
Freigabe ersetzt keinen Abschluss
UniCredit teilte am Donnerstag mit, die EZB habe einen Beteiligungsausbau über 30 Prozent hinaus und ohne Obergrenze genehmigt. Die verbleibenden regulatorischen Schritte und Bedingungen für den Angebotsabschluss erwartet UniCredit gegen Jahresende.
Die Genehmigung ist damit ein Schritt im Kontrollverfahren, aber nicht mit einem abgeschlossenen Angebot gleichzusetzen. Parallel stehen politische Anforderungen im Raum, die für die Ausgestaltung einer Übernahme wichtig sind.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete die Gespräche mit UniCredit-Chef Andrea Orcel am Freitag als konstruktiv, berichtete dpa-AFX. Das galt auch für den anschließenden Austausch der Teams. Die Bundesregierung pocht auf den Standort Frankfurt, Beschäftigteninteressen und die Mittelstandsfinanzierung. Die positive Beschreibung des Gesprächsverlaufs bedeutet somit keine vorbehaltlose Zustimmung.
Zinsannahmen müssen sich im Geschäft zeigen
JPMorgan beließ die Commerzbank am Freitag bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 39 Euro. Analyst Kian Abouhossein erhöhte seine Schätzungen für 2027 und 2028 leicht.
Ausschlaggebend war vor allem eine veränderte Zinsannahme: In sein Bewertungsmodell fließt ein EZB-Leitzins von 3 Prozent ein. Das ist eine Modellannahme und kein bereits gemeldeter Ergebnisbeitrag.
Die nächste operative Prüfung folgt am 5. November mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026. Für Anleger treffen damit unterschiedliche Zeithorizonte aufeinander: ausgeführte Rückkäufe, ein noch nicht abgeschlossenes Übernahmeangebot und längerfristige Ergebniserwartungen. Entscheidend ist, diese Ebenen nicht miteinander gleichzusetzen.
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