Commerzbank Aktie: Klingbeil trifft Orcel im September

Jens Weidmann verlangt eine Anpassung der Übernahmeregeln, während UniCredit bei der Commerzbank fast 50 Prozent erreicht und Gespräche anstehen.

Die Kernpunkte:
  • Weidmann verlangt Prüfung deutscher Übernahmeregeln
  • UniCredit kommt auf 48 Prozent
  • Berlin und Orcel planen September-Gespräche
  • Commerzbank-Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Jens Weidmann, hat eine Überprüfung der deutschen Übernahmeregeln gefordert. Reuters berichtete am Sonntag vergangener Woche, Weidmann kritisiere, dass UniCredit auf diesem Weg die Kontrolle über die Commerzbank erlangt habe, ohne den Aktionären eine angemessene Prämie zu zahlen.

Der Vorstoß markiert einen neuen Ton im schwelenden Übernahmestreit und rückt die Frage in den Vordergrund, wie eine faktische Mehrheitsübernahme ohne klassisches Übernahmeangebot rechtlich zu bewerten ist.

Hintergrund ist eine technische Entwicklung, die UniCredit zuletzt in eine ungewöhnlich komfortable Position gebracht hat. Zurückgekaufte Commerzbank-Aktien wurden eingezogen, wodurch sich der rechnerische Anteil von UniCredit ohne aktives Zutun des italienischen Instituts von 47,59 Prozent auf bis zu 49,65 Prozent erhöhte.

Darin enthalten waren bereits zuvor 3,36 Prozent aus Kaufoptionen. Reuters meldete zudem, UniCredit halte inzwischen 48 Prozent an der Commerzbank – eine Größenordnung, die eine faktische Kontrolle nahelegt, ohne dass die üblichen Übernahmeschwellen ein reguläres Pflichtangebot ausgelöst hätten.

Politik kommt in Bewegung

Genau an diesem Punkt setzt Weidmanns Kritik an: Die bestehenden Regeln seien für ein Szenario, in dem sich ein Anteil durch Aktienrückkäufe der Zielgesellschaft selbst erhöht, nicht ausgelegt.

Parallel dazu berichtete Reuters, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel im September zu Gesprächen zusammenkommen sollen. Die geplante Begegnung gilt als erstes Signal, dass Berlin direkter in die Dynamik um den Commerzbank-Deal eingreift, nachdem sich die Bundesregierung lange zurückgehalten hatte.

Verschärft wird die Gemengelage durch eine juristische Altlast: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Aktiengeschäften.

Das Verfahren betrifft vergangene Geschäftsvorgänge und steht nicht im direkten Zusammenhang mit der Übernahmefrage, fällt aber in eine Phase erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit für das Institut.

Aktie behauptet sich nahe Rekordniveau

An der Börse zeigt sich die Commerzbank-Aktie von der politischen und juristischen Gemengelage bislang unbeeindruckt. Am Freitag schloss das Papier bei 40,30 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent auf Tagesbasis.

Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 3,2 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich die Bewegung auf 9,6 Prozent. Damit notiert der Kurs nur noch 1,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das Ende August markiert wurde.

Die Marktbewertung von gut 44 Milliarden Euro spiegelt eine Gemengelage wider, in der Übernahmefantasie und operative Stärke zusammenwirken. Schon Anfang August hatte die Commerzbank mit ihren Halbjahreszahlen für ein starkes operatives Ergebnis gesorgt; im Zuge dieser Präsentation hatte Vorstandschefin Bettina Orlopp erstmals offen von einem möglichen Zusammenschluss mit UniCredit als wertstiftender Option für beide Seiten gesprochen – ein deutlicher Tonwechsel gegenüber der zuvor ablehnenden Haltung des Managements.

Berichten zufolge zeigt sich Berlin inzwischen offener gegenüber einer Veräußerung der verbliebenen Staatsbeteiligung an UniCredit, sofern beide Häuser eine gemeinsame Strategie finden. Damit verschiebt sich der Konflikt zunehmend von der operativen auf die politisch-regulatorische Ebene, wo Weidmanns Forderung nach einer Regelüberprüfung nun den nächsten Prüfstein setzt.

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