Commerzbank Aktie: Kotzbauer gibt Übernahmekampf auf
Die Commerzbank öffnet sich UniCredit, während die EZB-Prüfung näher rückt und starke Halbjahreszahlen den Konzern operativ stützen.

- Commerzbank beendet ihren Übernahmewiderstand
- EZB prüft UniCredit-Mehrheitsbeteiligung
- Nettogewinn im Halbjahr deutlich gestiegen
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
Die Commerzbank hat den Widerstand gegen die italienische UniCredit aufgegeben. Laut Handelsblatt zeigen interne Dokumente und Gespräche mit Insidern einen deutlichen Stimmungswechsel im Frankfurter Institut. Vizechef Michael Kotzbauer räumte im Commerzbank Newsroom ein, dass die Bank den Übernahmekampf verloren habe, findet aber, man habe sich dabei gut geschlagen.
Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp signalisierte intern Offenheit für einen Austausch mit UniCredit, nachdem der Vorstand das Angebot des italienischen Konzerns ursprünglich als zu niedrig zurückgewiesen hatte. Der Kurswechsel folgt auf eine lange Phase des Widerstands und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der monatelangen Übernahmeschlacht.
Aufsicht rückt näher an eine Genehmigung
Die Europäische Zentralbank lehnt sich einem internen Dokument zufolge zur Genehmigung der UniCredit-Übernahme vor; das Papier wurde bereits dem Supervisory Board vorgelegt. Ende Juli hatte die BaFin den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet.
Die Italiener halten demnach bereits knapp 48 Prozent der Stimmrechte, hinzu kommen weitere elf Prozent über Finanzinstrumente. Die Bundesregierung selbst ist mit rund 13 Prozent an der Commerzbank beteiligt.
Marktbeobachter rechnen mit einer EZB-Entscheidung im Herbst; zusätzlich stehen noch Genehmigungen von EU-Kartellbehörden und der US-Notenbank aus. Bis zum Ende der Annahmefrist Anfang Juli waren bereits 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden.
Operatives Geschäft läuft auf Rekordniveau
Unabhängig vom Übernahmepoker liefert die Commerzbank operativ so stark wie nie. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.
Die Eigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent und liegt damit bereits über dem Ganzjahresziel. Im zweiten Quartal erzielte die Bank mit 1,367 Milliarden Euro operativem Gewinn das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte, bei einer Kosten-Ertrags-Relation von 51 Prozent ohne Pflichtbeiträge.
Für das Gesamtjahr bestätigte das Management einen Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro, einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro sowie eine harte Kernkapitalquote über 14 Prozent.
Geplant ist zudem eine Kapitalrückgabe von 3,2 Milliarden Euro, von der mindestens die Hälfte als Dividende fließen soll. Eine bereits von der EZB genehmigte weitere Rückkauftranche über bis zu 1,2 Milliarden Euro soll im dritten Quartal starten, sobald Deutsche Finanzagentur und Vorstand grünes Licht geben.
Kurs nahe Jahreshoch, Anleger blicken auf Herbst
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 40,32 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent zum Vortag, und notiert damit nur 1,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro.
Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 12 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 26 Prozent. Der Markt preist die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Einigung offenbar bereits ein.
Neben dem Übernahmethema sorgt auch juristische Altlast für Schlagzeilen: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen schwerer Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften aus dem Jahr 2008, der Steuerschaden soll mehr als 20 Millionen Euro betragen haben.
Personell ist zudem der Abgang von Risikovorstand Bernd Spalt zum Jahresende bereits angekündigt, während mit Jennifer Sander seit Anfang August eine neue Chief Compliance Officer im Amt ist.
Die nächste Zäsur dürfte die Q3-Zahlen am 5. November bringen – gemeinsam mit weiteren Signalen aus dem Übernahmeprozess, der nach dem Stimmungswechsel in der Chefetage nun an Fahrt gewinnen könnte.
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