Commerzbank Aktie: Ministerium prüft Übernahmerecht-Reform

Das Finanzministerium untersucht mögliche Änderungen am Übernahmerecht nach Unicredits Vorgehen bei der Commerzbank; konkrete Schritte sind noch offen.

Die Kernpunkte:
  • Prüfung des Übernahmerechts läuft
  • Unicredit bot ohne nennenswerten Kursaufschlag
  • Weidmann kritisierte fehlende Kontrollprämie
  • Commerzbank-Aktie verlor heute 0,7 Prozent

Das Bundesfinanzministerium prüft eine Anpassung des deutschen Übernahmerechts. Anlass für die Überlegungen ist das Vorgehen der italienischen Großbank Unicredit bei der Commerzbank. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass derzeit untersucht werde, ob gesetzliche Änderungen notwendig sind. Die ministerielle Prüfung ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen.

Das Vorgehen über Niedrigpreis-Angebote

Auslöser der politischen Debatte ist die Struktur der Übernahmeofferte. Unicredit hatte bis Mai 2026 zunächst einen Anteil von knapp unter 30 Prozent an der Commerzbank aufgebaut. Anschließend legte das Institut ein freiwilliges Übernahmeangebot vor, das jedoch keinen nennenswerten Aufschlag auf den damaligen Aktienkurs enthielt.

Wird diese Transaktion wie erwartet bis zum Jahresende umgesetzt, überschreitet Unicredit die Meldeschwelle von 30 Prozent. Nach dem deutschen Recht entfällt damit die Verpflichtung zu einem späteren Pflichtangebot.

Der Großaktionär kann im Anschluss flexibel weitere Papiere über den Markt erwerben und so schrittweise die vollständige Kontrolle übernehmen. Eine vergleichbare Vorgehensweise war am deutschen Kapitalmarkt bereits bei Frasers im Rahmen des Einstiegs bei Hugo Boss sowie bei MediaForEurope bei ProSiebenSat.1 zu beobachten.

Kritik an fehlender Kontrollprämie

Gegen diese Praxis regt sich Widerstand bei den Betroffenen. Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann kritisierte das Vorgehen bereits im August deutlich. Er bemängelte, dass Unicredit mit einem finanziell unattraktiven Angebot die Mehrheit anstrebe, ohne den bestehenden Anteilseignern eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.

In anderen Rechtsräumen wie den USA oder Großbritannien greifen bei derartigen Konstellationen strengere Vorgaben, die Aktionäre vor solchen Übernahmeangeboten schützen.

Zurückhaltung am Markt

Die Anleger reagieren gelassen auf die Initiative aus Berlin. Die Aktie der Commerzbank verzeichnet heute einen leichten Rückgang um 0,7 Prozent auf 41,52 Euro. Das Papier notiert damit in Reichweite seines 52-Wochen-Hochs von 43,34 Euro. Welche konkreten regulatorischen Schritte das Finanzministerium aus der laufenden Prüfung ableiten wird, ist bislang offen.

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