Commerzbank Aktie: Ökonomen widerlegen PMI-Mythos

Eine Commerzbank-Analyse setzt die Rezessionsschwelle im Euroraum bei 47,8 PMI-Punkten an und erklärt zugleich die jüngste Euro-Schwäche.

Die Kernpunkte:
  • Rezessionssignal liegt bei 47,8 Punkten
  • Zweites Quartal trotz niedrigem PMI gewachsen
  • PMI erklärt knapp Hälfte der Schwankungen
  • Zinsabstand belastet den Euro

Die Commerzbank meldet sich diese Woche gleich mit zwei Themen zu Wort, die für Anleger relevant sind: einer ungewöhnlichen Studie zu Konjunkturindikatoren und einer Einschätzung zur Dollar-Stärke. Beide Wortmeldungen zeigen, wie das Institut seine volkswirtschaftliche Expertise nutzt, um Marktbewegungen einzuordnen.

Die 50-Punkte-Regel gilt nicht

Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer stellt eine verbreitete Daumenregel infrage. Gemeinhin gilt ein Einkaufsmanagerindex (PMI) unter 50 Punkten als Warnsignal für eine schrumpfende Wirtschaft. Stamer widerspricht: Die tatsächliche Schwelle, ab der eine Rezession im Euroraum wahrscheinlicher wird als Wachstum, liegt seiner Analyse nach bei 47,8 Punkten.

Die Datenbasis ist beachtlich. Stamer wertete die PMI-Entwicklung der vergangenen 27 Jahre aus. Im Schnitt des zweiten Quartals lag der Index bei 49,0 Punkten – und das Bruttoinlandsprodukt wuchs trotzdem um 0,6 Prozent. Unternehmen schätzen ihre Lage demnach tendenziell schlechter ein, als die tatsächlichen Wachstumszahlen es rechtfertigen.

Für ein überdurchschnittliches Wachstum von mehr als 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal braucht es laut der Analyse einen PMI von mindestens 52,5 Punkten. Der Index erklärt insgesamt knapp die Hälfte der Schwankungen im Euroraum-Wachstum, beim deutschen PMI sind es nur rund 40 Prozent.

Bessere Vorlaufindikatoren für den Euroraum fand der Ökonom nicht – die PMI-Modelle schlagen sowohl den Ifo-Index als auch den Europäischen Wirtschaftsstimmungsindex in der Prognosequalität.

Dollar-Stärke durch Zinsdifferenzial

Parallel dazu ordnet die Commerzbank in ihrem Morgenkommentar die jüngste Euro-Schwäche ein. Der Euro fiel zuletzt auf rund 1,1423 Dollar, den tiefsten Stand seit Ende Juli. Die Bank sieht den Grund im verschobenen Zinsdifferenzial zwischen den USA und dem Euroraum – befeuert durch die Fed-Zinserhöhung vom 16. September.

Hinter der Entwicklung steckt aus Sicht der Bank eine strukturelle Einschätzung: Inflation und Geldpolitik im Euroraum reagieren stärker auf Energiepreise als in den USA. Das macht den Euro anfälliger für externe Schocks, während der Dollar von robusteren Zinserwartungen profitiert.

Beide Analysen zeigen die Commerzbank in ihrer Rolle als Interpretin von Konjunkturdaten – ein Geschäftsfeld, das abseits der aktuellen Kursdiskussionen um Übernahme und Führungsfragen läuft, aber die fachliche Reputation des Instituts unterstreicht.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 23. September liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 23. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Commerzbank