Commerzbank Aktie: Orcel droht mit außerordentlicher Hauptversammlung

Die Bundesregierung überlässt Commerzbank und UniCredit die Gespräche. Orcel droht mit Austausch des Aufsichtsrats.

Die Kernpunkte:
  • Bund lehnt direkte Gespräche mit UniCredit ab
  • Orcel erwägt außerordentliche Hauptversammlung
  • Harald Christ kündigt Rückzug aus Aufsichtsrat an
  • Aktie verliert seit Hoch Mitte Juli deutlich

Die Bundesregierung lässt die Commerzbank im Übernahmepoker mit UniCredit allein. Berlin will nicht mehr selbst verhandeln. Das bringt UniCredit-Chef Andrea Orcel dazu, offen mit einer Machtprobe im Aufsichtsrat zu drohen.

Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent. Auf Monatssicht steht sie mit 2,27 Prozent im Minus. Der Kurs bewegt sich damit weiter in der Nervosität, die der Übernahmestreit seit Monaten erzeugt.

Berlin schiebt die Verantwortung an die Banken

Das Finanzministerium hat am Donnerstag klargestellt: Es gibt keine Gesprächsbereitschaft mit UniCredit. Ein Sprecher sagte, es sei „jetzt Sache der beiden Banken, miteinander zu sprechen“. Die Grundhaltung bleibt aber unverändert kritisch gegenüber den Italienern.

„Es ist aber auch klar, dass wir aggressives Vorgehen der UniCredit weiter ablehnen“, so das Ministerium. Berlin will weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln.

Der Bund hält noch immer rund zwölf Prozent an der Commerzbank. UniCredit kommt bereits auf fast die Hälfte der Anteile. Die Commerzbank selbst pocht weiter auf ihre Eigenständigkeit.

Orcel droht mit außerordentlicher Hauptversammlung

Brisant wird die Lage durch eine Aussage von UniCredit-Chef Orcel gegenüber dem Sender CNBC. Die nächsten Schritte seien „hoffentlich“ Gespräche mit der deutschen Regierung und den Betriebsräten, sagte er. Vom Ergebnis dieser Gespräche macht er eine mögliche Eskalation abhängig.

Konkret geht es um eine außerordentliche Hauptversammlung bei der Commerzbank – noch vor dem regulären Termin 2027. Orcel hat öffentlich damit geliebäugelt, dort alle Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat auszutauschen.

Zusätzliches Gewicht bekommt die Personalfrage durch einen anderen Umstand: Harald Christ, der einen der beiden für den Bund reservierten Aufsichtsratsposten besetzt, hat seinen Rückzug für 2027 bereits angekündigt. Ein Sitz wird also ohnehin neu vergeben.

Kein Termin, aber offenbar Vorbereitungen

Trotz der öffentlichen Avancen gibt es keinen festen Fahrplan. Der Bund hat die Offerte nicht angenommen, aktuell sind keine Verhandlungen mit Orcel terminiert. Auch in den kommenden Wochen ist damit nicht zu rechnen.

Bloomberg berichtete allerdings, dass sich Berlin intern bereits auf mögliche Bedingungen vorbereitet. Sollte es zu Gesprächen kommen, will die Regierung Garantien: Die Commerzbank soll eigenständig an der Börse notiert bleiben. Frankfurt soll ein bedeutender Standort bleiben. Zudem soll die Bank ihre Rolle als Finanzierer des deutschen Mittelstands im bisherigen Umfang behalten.

Chartbild bleibt angeschlagen

Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 39,18 Euro am 14. Juli hat die Aktie rund 6,6 Prozent verloren. Sie notiert derzeit unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 37,21 Euro – ein Zeichen für die anhaltende Unsicherheit rund um den Übernahmepoker. Auf Jahressicht steht das Papier trotzdem noch mit knapp 22 Prozent im Plus.

Ohne festen Verhandlungstermin zwischen UniCredit und der Bundesregierung bleibt die Unsicherheit der bestimmende Faktor für den Kurs. Orcels Drohung mit einer außerordentlichen Hauptversammlung wirkt dabei als zusätzliches Druckmittel – ihre Umsetzung hängt aber weiterhin von Gesprächen ab, für die es bislang keinen Termin gibt.

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