Commerzbank Aktie: Orcel hält 48 bis 50 Prozent

Commerzbank-Aufsichtsratschef Weidmann zeigt sich gesprächsbereit gegenüber UniCredit. Die Aktie reagiert mit Kursgewinnen auf die Annäherung.

Die Kernpunkte:
  • Weidmann ruft UniCredit zu Gesprächen
  • Aktie legt um 2,57 Prozent zu
  • Orcel kontrolliert knapp 50 Prozent
  • Fusionsbedingungen werden verhandelt

Die monatelange Blockade zwischen Commerzbank und UniCredit bekommt Bewegung. Aufsichtsratschef Jens Weidmann rief die italienische Bank am Wochenende zum Dialog auf und signalisierte damit erstmals öffentlich, dass der Widerstand gegen eine Fusion nachlässt. UniCredit-Chef Andrea Orcel reagierte prompt und zeigte sich gesprächsbereit.

Die Commerzbank-Aktie honoriert die Entspannung deutlich: Sie notiert aktuell bei 37,54 Euro und legt damit 2,57 Prozent zu. Über zwölf Monate gerechnet steht ein Plus von 25,72 Prozent zu Buche – ein Wert, der die Dimension der Übernahmefantasie unterstreicht, die den Kurs seit Monaten treibt.

Orcel mit fester Anteilsmehrheit im Rücken

Orcel hat seine Ausgangsposition zuletzt weiter gefestigt. Nach eigenen Angaben kontrolliert der UniCredit-Chef inzwischen einen Anteil an der Commerzbank, der je nach Zählweise auf rund 48 bis 50 Prozent taxiert wird. Business Insider berichtete über Orcels Vorstellung, aus dem Zusammenschluss eine paneuropäische Großbank zu formen, die den deutschen Bankenmarkt nachhaltig verändern würde. Politischer Widerstand in Deutschland bleibt bestehen, doch Orcel gibt sich nach den Berichten optimistisch, dass sich dieser überwinden lässt.

Mit der fast schon marktbeherrschenden Beteiligung hat UniCredit die Verhandlungsmacht klar auf seiner Seite. Beobachter gehen davon aus, dass eine Übernahme noch bis Jahresende vollzogen werden könnte, sollten sich beide Seiten auf die Bedingungen einigen. Genau darüber wird nun offenbar verhandelt: Weidmann lud zu Gesprächen über die konkreten Fusionsbedingungen ein, während parallel ein höheres Übernahmeangebot als möglich gilt.

Verhandlungsmasse: Jobs, Zentrale, Zugeständnisse

Im Zentrum der anstehenden Gespräche stehen nach Angaben aus dem Marktumfeld drei Themenblöcke: der Erhalt von Arbeitsplätzen, der Fortbestand der Zentrale in Frankfurt und mögliche Zugeständnisse UniCredits an die deutsche Seite. Für die Commerzbank-Belegschaft und die Frankfurter Politik ist dies der entscheidende Punkt der kommenden Wochen – nicht mehr die Frage, ob eine Fusion kommt, sondern zu welchen Konditionen.

Auch abseits der Übernahmefront bleibt die Commerzbank im Bankenumfeld sichtbar aktiv. Chefökonom Jörg Krämer ordnete zuletzt den jüngsten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex auf 86,6 Punkte ein und verwies darauf, dass die Verbesserung wegen des zuvor gestiegenen Ölpreises nur bedingt aussagekräftig sei. Ein Zeichen dafür, dass das operative Geschäft neben der Übernahmesaga weiterläuft.

Charttechnik spiegelt die neue Zuversicht

Die jüngste Kursbewegung hat auch charttechnische Bedeutung. Erst am Montagmorgen war die Aktie unter ihre 50-Tage-Linie gerutscht, was Händler als Belastungsprobe für die Bullen werteten und das Pivot-Tief von Mitte Juni als nächste Unterstützung in den Fokus rückte. Der aktuelle Kurssprung hat diese Linie nun wieder zurückerobert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht am 14. Juli, fehlen der Aktie noch 4,19 Prozent.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Einerseits deutet die Kombination aus Weidmanns Dialogbereitschaft, Orcels gesicherter Anteilsmehrheit und der Kursreaktion auf eine greifbare Annäherung hin. Andererseits ist über die konkreten Konditionen – Bewertung, Standortgarantien, Stellenabbau – bislang nichts Verbindliches bekannt. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob aus der Gesprächsbereitschaft ein konkretes, überarbeitetes Angebot wird.

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