Commerzbank Aktie: Orcel nahe 50 Prozent

UniCredit kontrolliert fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile, Verhandlungen über eine Übernahme könnten bald beginnen. Die Aktie profitiert von der Übernahmefantasie.

Die Kernpunkte:
  • UniCredit hält fast 50 Prozent
  • Bafin prüft Übernahmeantrag vollständig
  • Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
  • EZB-Prüfung als nächste Hürde

Die Commerzbank steht offenbar kurz vor einer Zäsur: UniCredit-Chef Andrea Orcel treibt die Übernahme des Frankfurter Instituts weiter voran und kontrolliert nach eigenen Zukäufen inzwischen fast 50 Prozent der Anteile. Laut Handelsblatt könnten die entscheidenden Verhandlungen über ein Aufgehen der Commerzbank in der italienischen Großbank bald beginnen.

Orcel baut seine Position seit 2024 aus

Orcels Einstieg begann im Sommer 2024, als er erste Aktienpakete erwarb. Im September desselben Jahres kaufte er weitere fünf Prozent direkt vom Bund, der bis dahin größter Einzelaktionär war. Seither hat der UniCredit-Chef seine Beteiligung kontinuierlich ausgebaut und steht nun nahe der psychologisch wichtigen Marke von 50 Prozent. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die das Institut seit Oktober 2024 führt, stemmt sich weiterhin gegen die Avancen aus Mailand – bislang allerdings ohne dass sich Orcels Fortschritte dadurch bremsen ließen.

Auf regulatorischer Seite hat sich die Lage zuletzt verdichtet: Der Antrag von UniCredit liegt der Bafin inzwischen vollständig vor, zusätzlich prüft die Europäische Zentralbank das Vorhaben. Diese formale Hürde gilt als einer der letzten Schritte, bevor Orcel seine Anteile tatsächlich in eine Kontrollmehrheit übersetzen könnte. Für Anleger bedeutet das: Der Übernahmepoker bleibt der bestimmende Faktor für die Aktie, unabhängig von der operativen Entwicklung des Instituts.

Zahlen liefern Rückenwind, Übernahmefantasie überstrahlt sie

Die jüngsten Quartalszahlen der Commerzbank kamen am Markt gut an – die Aktie zeigte sich im Anschluss stabil, ohne größere Ausschläge nach oben oder unten. Das passt zum Gesamtbild: Der Titel wird derzeit weniger von der operativen Story getrieben als von der Frage, wann und zu welchen Konditionen eine Übernahme durch UniCredit Realität wird.

An der Börse spiegelt sich das in einer bemerkenswert robusten Kursentwicklung. Zum Schluss des Freitagshandels stand die Commerzbank-Aktie bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit 8,50 Prozent zugelegt und nähert sich mit einem Abstand von nur noch 1,71 Prozent seinem 52-Wochen-Hoch spürbar der Bestmarke an. Die Nähe zum Jahreshoch unterstreicht, wie sehr die Übernahmespekulation die Bewertung inzwischen prägt.

Der Gesamtmarkt lieferte zuletzt ebenfalls unterstützende Rahmenbedingungen: Der Dax kletterte am Freitag erstmals über die Marke von 26.000 Punkten, bevor er den Handel im Anschluss an das Rekordniveau leicht im Minus beendete. Für die Commerzbank spielt dieses Umfeld eine untergeordnete Rolle – der Kurs folgt derzeit primär dem Fortgang der UniCredit-Offensive.

Was Anleger nun im Blick behalten sollten

Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, wie schnell die EZB-Prüfung des UniCredit-Antrags voranschreitet und ob sich Orlopp und der Aufsichtsrat auf eine gemeinsame Verhandlungslinie mit Orcel einigen. Solange keine Klarheit über Konditionen oder einen möglichen Zeitplan besteht, dürfte die Aktie zwischen operativer Stärke und Übernahmefantasie hin- und herpendeln. Die Nähe zum 52-Wochen-Hoch zeigt, dass der Markt der Story derzeit mehr Gewicht gibt als kurzfristigen Risiken aus dem laufenden Verfahren.

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