Commerzbank Aktie: Orcel trifft Klingbeil am 14. September

Hessens Ministerpräsident Rhein fordert bei einer möglichen Fusion den Erhalt von Börsennotierung, Frankfurter Sitz, Marke und Firmenkundengeschäft.

Die Kernpunkte:
  • Rhein fordert klare Fusionsbedingungen
  • Commerzbank meldet 1,81 Milliarden Euro Halbjahresgewinn
  • UniCredit erhält möglichen Stimmrechtszugriff
  • Aktie nähert sich dem 52-Wochen-Hoch

Der Machtkampf um die Commerzbank bekommt eine neue politische Dimension. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein traf sich mit UniCredit-Chef Andrea Orcel und formulierte klare Bedingungen für eine mögliche Fusion: Die Commerzbank soll börsennotiert bleiben, ihren Hauptsitz in Frankfurt behalten, Namen und Marke bewahren und das Firmenkundengeschäft nicht verkauft werden. Damit positioniert sich die hessische Landesregierung als weiterer politischer Akteur in einem Übernahmepoker, der längst die Ebene der Bundespolitik erreicht hat.

Die Forderungen fallen in eine Phase, in der sich die Fronten zumindest sprachlich aufzulockern scheinen. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte sich zuletzt bereit gezeigt, mit UniCredit konstruktive Gespräche zu führen, zugleich aber vor einer Eskalation gewarnt und auf die Einbindung von Management, Arbeitnehmervertretern und Bundesregierung gepocht.

Genau diese Einbindung nimmt nun Gestalt an: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Orcel für den 14. September ins Bundesfinanzministerium eingeladen, um die Position der Bundesregierung darzulegen.

Verhandlungsmasse aus starken Zahlen

Rhein und Klingbeil verhandeln nicht aus einer Position der Schwäche der Commerzbank heraus. Die Bank hatte für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 1,81 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einer Eigenkapitalrendite von 12,6 Prozent.

Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Mit der im Mai vorgestellten Strategie „Momentum 2030“ hat sich die Bank zudem ambitionierte mittelfristige Ziele gesetzt: einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro bis 2030 sowie eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent.

Diese Zahlen verschaffen der Commerzbank-Führung Argumente in einem Prozess, dessen Machtverhältnisse formal bereits zugunsten von UniCredit verschoben sind. Nach Ablauf des Übernahmeangebots im Juli hatten insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient, wovon nur 2,7 Prozent von unabhängigen institutionellen oder privaten Anlegern stammten.

UniCredit soll damit nach behördlicher Genehmigung Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte erhalten. Die BaFin hatte den italienischen Institutionen zudem einen Bescheid zur Erhöhung der Beteiligung auf über 30 Prozent erteilt, der Antrag liegt inzwischen bei der Europäischen Zentralbank.

Kurs nahe Rekordniveau

Die Aktie hat die politische und operative Gemengelage mit einer kräftigen Rally quittiert. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 27 Prozent.

Mit einem Schlusskurs von 42,67 Euro liegt das Papier nur noch 0,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 43,03 Euro, erreicht am 7. September. Die Marktkapitalisierung beläuft sich mittlerweile auf 45,46 Milliarden Euro.

Damit bewegt sich die Commerzbank in unmittelbarer Reichweite ihres Jahreshochs, während gleichzeitig auf drei politischen Ebenen – Hessen, Bund und die Institute selbst – über ihre Zukunft verhandelt wird. Rheins Forderungskatalog markiert dabei weniger eine Ablehnung der Fusion als vielmehr den Versuch, deren Bedingungen mitzugestalten, bevor Klingbeil und Orcel am 14. September aufeinandertreffen.

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