Commerzbank Aktie: Orlopp droht mit Rücktritt

Bettina Orlopp knüpft ihre Zukunft bei der Commerzbank an eine gemeinsame Strategie mit Unicredit-Chef Orcel und klare Verhältnisse.

Die Kernpunkte:
  • Orlopp macht Verbleib von Strategie abhängig
  • Klingbeil lädt Orcel zum Gespräch
  • Aktienrückkauf stärkt Commerzbank-Position
  • Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch

Die Machtfrage bei der Commerzbank spitzt sich zu. Vorstandschefin Bettina Orlopp hat signalisiert, dass sie das Institut verlassen könnte, sollte sie sich mit Unicredit-Chef Andrea Orcel nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Eine Mitgliedschaft im Managementboard mache aus ihrer Sicht nur dann Sinn, wenn zwischen ihr und dem Aufsichtsrat ein Vertrauensverhältnis bestehe und Klarheit über die künftige strategische Ausrichtung herrsche, berichtete Bloomberg.

Die Aussage markiert einen neuen Ton in der monatelangen Auseinandersetzung um die Zukunft der Bank. Nachdem Unicredit im Sommer über die Annahmefrist ihres Übernahmeangebots hinaus Zugriff auf einen erheblichen Teil der Commerzbank-Anteile gesichert hatte, war zuletzt vor allem über die Bedingungen für ein Miteinander diskutiert worden. Mit Orlopps Andeutung rückt nun die Personalie an der Spitze selbst in den Fokus.

Politik schaltet sich ein

Parallel dazu wächst der politische Druck auf beide Seiten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Unicredit-Chef Orcel für den 14. September ins Bundesfinanzministerium eingeladen. Ein Regierungsvertreter bestätigte den Termin gegenüber Handelsblatt und Bloomberg.

Klingbeil will bei dem Gespräch die Position der Bundesregierung darlegen und mit Orcel in den direkten Austausch treten. Das Treffen begleitet die laufenden Gespräche zwischen den beiden Banken und unterstreicht, dass die Bundesregierung die Entwicklung bei der Commerzbank weiterhin genau verfolgt.

Auch aus dem Aufsichtsrat kommen Signale. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte zuvor in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung eingeräumt, dass zwischen Commerzbank und Unicredit Gespräche auf verschiedenen Ebenen liefen. Vizechef Michael Kotzbauer äußerte sich zudem zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Auseinandersetzung und befand, die Bank habe sich im Übernahmekampf gut geschlagen.

Kapitalstärke als Verhandlungsargument

Untermauert wird die Position des Managements durch die operative Entwicklung: Die Bank hatte im August eine fortgesetzte Erfolgsserie bei Erträgen und Profitabilität vermeldet und auf dieser Basis den nun laufenden Aktienrückkauf sowie eine ambitionierte Kapitalrückgabepolitik angekündigt.

Diese Stärke dürfte Orlopp und dem Aufsichtsrat in den Verhandlungen mit Unicredit zusätzliches Gewicht verleihen – wer aus einer Position wirtschaftlicher Stärke heraus verhandelt, muss sich strategisch weniger diktieren lassen.

An der Börse kommt die Gemengelage aus Übernahmepoker, politischer Einmischung und robusten Zahlen bislang gut an. Die Aktie schloss am Freitag bei 41,86 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 42,11 Euro. Auf Jahressicht steht ein Plus von 16 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 28 Prozent verteuert.

Entscheidende Wochen stehen bevor

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Einerseits untermauert der Rückkauf das Vertrauen des Managements in die eigene Ertragskraft, andererseits hängt die strategische Zukunft der Bank am Ausgang der Gespräche zwischen Orlopp, dem Aufsichtsrat und Unicredit.

Das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am 14. September dürfte richtungsweisend dafür sein, wie die Bundesregierung künftig auf den Übernahmeprozess Einfluss nehmen will. Bis dahin bleibt die Personalie an der Spitze der Commerzbank die zentrale offene Frage.

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