Commerzbank Aktie: Orlopp offen für UniCredit-Gespräche

Commerzbank zeigt sich gesprächsbereit gegenüber UniCredit, während die Aktie nahe ihrem Jahreshoch notiert. Rekordzahlen und Aktienrückkauf stützen den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Keine Abwehrhaltung mehr gegenüber UniCredit
  • UniCredit-Anteil steigt auf 47,59 Prozent
  • Kreditkartenwechsel von Mastercard zu Visa
  • Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch

Die Commerzbank rückt von ihrer bisherigen Abwehrhaltung gegenüber UniCredit ab. Das Management um Vorstandschefin Bettina Orlopp zeigt sich Medienberichten zufolge erstmals offen für Übernahmegespräche mit dem italienischen Institut. Damit vollzieht die Bank einen bemerkenswerten Kurswechsel, nachdem sie monatelang auf Eigenständigkeit gepocht hatte.

Auslöser ist die weiter gewachsene Beteiligung von UniCredit. Die Italiener haben ihren Anteil über den Einsatz von Finanzinstrumenten auf insgesamt 47,59 Prozent ausgebaut, was 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht. Damit steht UniCredit an der Schwelle zur faktischen Kontrolle über die Frankfurter Bank – ohne bislang ein formelles Übernahmeangebot vorgelegt zu haben. Die veränderte Haltung des Commerzbank-Managements dürfte den Weg für konkretere Verhandlungen ebnen.

Kartenwechsel als operatives Nebenthema

Parallel zur Übernahmediskussion treibt die Commerzbank einen Wechsel bei ihrem Kreditkartenangebot voran. Das Institut bereitet den Umstieg vom bisherigen Anbieter Mastercard zu dessen Konkurrenten Visa vor.

Kunden werden derzeit schrittweise über die notwendige Zustimmung zu diesem Anbieterwechsel informiert. Verglichen mit der Übernahmefrage bleibt dies ein operatives Detail, zeigt aber, dass der laufende Geschäftsbetrieb trotz der strategischen Unsicherheit weiterläuft.

Kurs nahe Jahreshoch, Bewertungen zuletzt angehoben

An der Börse notiert die Commerzbank-Aktie aktuell bei 39,30 Euro und damit nur rund zwei Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro. Der Titel hat sich binnen zwölf Monaten um 9,3 Prozent verteuert und liegt seit Jahresbeginn 8,9 Prozent im Plus. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von rund elf Prozent unterstreicht den intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.

Die zuletzt vorgelegten Rekordzahlen zum zweiten Quartal hatten der Aktie bereits Rückenwind gegeben – seither steht ein Plus von 1,9 Prozent zu Buche. Vor rund zwei Wochen hatte die Bank einen Nettogewinn von 898 Millionen Euro gemeldet, deutlich mehr als die 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Zugleich bestätigte der Vorstand die Jahresguidance von mindestens 3,4 Milliarden Euro Konzernergebnis und kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro an. Die geplante Gesamtausschüttung an die Aktionäre für 2026 soll sich auf 3,2 Milliarden Euro belaufen.

Am 10. August hob der DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler seinen fairen Wert für die Aktie von 42,00 auf 46,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“ – eine der optimistischeren Einschätzungen im laufenden Monat.

Blick nach vorn

Für Anleger verschmelzen nun zwei Erzählstränge: die operative Stärke des Instituts, belegt durch solide Quartalszahlen und Kapitalrückführungen, sowie die strategische Frage einer möglichen Übernahme durch UniCredit. Am 8. September wird die Commerzbank auf der „Commerzbank & ODDO Corporate Conference“ in Frankfurt auftreten – ein Termin, der angesichts der aufgeheizten Übernahmedebatte zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten dürfte.

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