Commerzbank Aktie: Orlopp signalisiert Offenheit für UniCredit-Gespräche

Commerzbank öffnet sich für Verhandlungen mit UniCredit und meldet zugleich Rekordzahlen. Die EZB prüft derweil den Mehrheitsantrag der Italiener.

Die Kernpunkte:
  • Orlopp zeigt Dialogbereitschaft mit UniCredit
  • EZB prüft Mehrheitsantrag der Italiener
  • Rekordhalbjahr: Nettogewinn steigt um 40 Prozent
  • Aktionäre erhalten 100 Prozent des Nettoergebnisses

Die Commerzbank steuert auf eine neue Phase im Ringen um ihre Zukunft zu. Nach Jahren der Abwehrhaltung signalisierte Vorstandschefin Bettina Orlopp am Donnerstag im Anschluss an die Vorlage der Halbjahreszahlen erstmals Offenheit für konstruktive Gespräche mit dem italienischen Großaktionär UniCredit. Bislang hatte das Institut das Übernahmeangebot als zu niedrig zurückgewiesen. Der Kurswechsel fällt in eine Phase, in der UniCredit seine Position kontinuierlich ausbaut und die Aufsichtsbehörden das Verfahren formal vorantreiben.

EZB prüft Mehrheitsantrag von UniCredit

Die italienische Großbank hält nach Ablauf ihrer Angebotsfrist am 3. Juli wirtschaftlich rund 47,6 Prozent des Kapitals und etwa 49,7 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, hinzu kommen weitere rund elf Prozent über Finanzinstrumente ohne Stimmrecht. Von dem eigentlichen Übernahmeangebot waren zum Fristende lediglich 17,6 Prozent der Aktien angedient worden – und davon stammten nur 2,7 Prozentpunkte von unabhängigen institutionellen Investoren und Privatanlegern. Der Großteil kam laut den Angaben der Commerzbank von UniCredit nahestehenden Instituten. Am vergangenen Dienstag stufte die Bafin den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig ein und leitete ihn an die Europäische Zentralbank weiter. Die EZB hat nun 60 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere 20 Tage. Damit rückt eine förmliche Freigabe der Kontrollübernahme in greifbare Nähe.

Auch die Bundesregierung hat ihre Haltung angepasst. Am vergangenen Dienstag wurde bekannt, dass Berlin an einer neuen Strategie im Umgang mit der Commerzbank arbeitet. Eine Übernahme lässt sich demnach kaum mehr verhindern – die Regierung will aber Bedingungen an ein mögliches Zusammengehen stellen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Orlopps Signalwechsel zusätzliches Gewicht: Statt auf reine Blockade zu setzen, sucht das Commerzbank-Management offenbar nach einem Weg, die eigene Verhandlungsposition zu wahren.

Rekordquartal stärkt die Ausgangsposition

Diese Position hat sich zuletzt spürbar verbessert. Am vergangenen Donnerstag legte die Commerzbank Rekordzahlen vor: Das Nettoergebnis im ersten Halbjahr stieg um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern verbesserte sich auf 12,6 Prozent, während das Risikoergebnis mit minus 344 Millionen Euro moderat blieb. Für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand das Ziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Zugleich kündigte die Bank an, 100 Prozent des Nettoergebnisses nach Abzug der AT1-Kuponzahlungen an die Aktionäre zurückgeben zu wollen – umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro, davon mindestens die Hälfte als Dividende. Ein von der EZB bereits genehmigter Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro ergänzt das Programm.

Diese Kapitalstärke verschafft der Commerzbank Argumente für den Fall, dass es tatsächlich zu Verhandlungen über die Konditionen einer Mehrheitsübernahme kommt. Auch operativ zeigte sich das Institut robust: Der Provisionsüberschuss legte im Halbjahr um acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu, der Zinsüberschuss hielt sich trotz gesunkener Leitzinsen bei 4,1 Milliarden Euro stabil. Die Handelstochter comdirect verzeichnete mit 21 Millionen Trades im ersten Halbjahr ein Plus von fünf Prozent.

An der Börse honorieren Anleger die Entwicklung. Die Aktie schloss am Freitag bei 39,17 Euro und legte damit 1,61 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,50 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch, das die Bank erst am Donnerstag markierte, fehlen der Aktie derzeit nur 1,71 Prozent. Der Markt scheint eine Annäherung zwischen den beiden Instituten zunehmend einzupreisen, ohne dass die entscheidenden Weichen bei der EZB bereits gestellt wären.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 9. August liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Commerzbank