Commerzbank Aktie: Q2-Gewinn springt um 94 Prozent

Berlin will seine Commerzbank-Anteile an UniCredit verkaufen. Erste Gespräche über die operative Umsetzung des Kontrollwechsels laufen bereits.

Die Kernpunkte:
  • Bund plant Verkauf seiner Commerzbank-Anteile
  • Gespräche zwischen Orlopp und Orcel gestartet
  • BaFin und EZB genehmigen Übernahme
  • Commerzbank meldet Rekordhalbjahresgewinn

Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit tritt in eine neue Runde. Die Bundesregierung hat signalisiert, ihren verbliebenen Anteil von 12,7 Prozent an den italienischen Konzern verkaufen zu wollen.

Zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel laufen bereits seit Anfang August erste formelle Gespräche, in denen es um die konkreten Folgen eines Kontrollwechsels geht – etwa bei Bilanzfragen, rechtlichen Strukturen und dem Risikomanagement.

Für Anleger bedeutet das: Der Übernahmeprozess nähert sich einem Punkt, an dem aus politischer Zurückhaltung und regulatorischer Prüfung praktische Umsetzung wird.

Bund lenkt ein, Aufsichtsratschef spricht von klaren Kräfteverhältnissen

Dass Berlin nun verkaufsbereit ist, passt zu den Signalen der vergangenen Wochen. Bereits Ende Juli hatte Aufsichtsratschef Jens Weidmann eingeräumt, die Kräfteverhältnisse zwischen beiden Instituten seien eindeutig, und einen konstruktiven Dialog mit UniCredit angekündigt.

Nach Abschluss der Übernahmeangebot-Phase im Juli hält UniCredit rund 47,6 Prozent der Anteile und knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte. Ein Verkauf des Bundespakets würde die italienische Bank spürbar näher an die Kontrollmehrheit heranrücken.

Regulatorisch ist der Weg inzwischen weit geöffnet: Die BaFin hat den Anteilserwerb bereits genehmigt, und die Europäische Zentralbank hat die Übernahme am vergangenen Sonntag freigegeben – seither hat die Aktie rund 2,0 Prozent verloren. Die formellen Gespräche zwischen Orlopp und Orcel sind damit der nächste logische Schritt: Sie klären, wie ein Kontrollwechsel operativ und rechtlich ausgestaltet wird, nicht mehr, ob er kommt.

Rekordzahlen liefern Rückenwind, Kurs bleibt nahe Jahreshoch

Untermauert wird die Ausgangsposition der Commerzbank durch die Halbjahreszahlen, die vor rund zwei Wochen vorgelegt wurden und seither die Aktie um 1,2 Prozent haben steigen lassen. Der Nettogewinn kletterte im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, im zweiten Quartal allein stieg er um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro.

Die Erträge legten um 7 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro zu. Das Management erhöhte die Jahresprognose auf mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn und kündigte zugleich ein Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an.

Die Aktie notiert aktuell bei 39,00 Euro und damit nur 2,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst Mitte August markiert wurde. Auf Jahressicht steht ein Plus von 8,0 Prozent, gegenüber dem 52-Wochen-Tief von Mitte Oktober vergangenen Jahres liegt der Kurs sogar 35 Prozent höher. Der Wert notiert damit deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 35,33 Euro, was die grundsätzlich intakte Aufwärtsbewegung unterstreicht.

Personalwechsel im Compliance-Bereich

Neben der Übernahmefrage gab es auch organisatorische Bewegung im Management: Jennifer Sander, zuvor bei Oddo BHF, trat Anfang August als neue Chief Compliance Officer und Divisional Board Member an. Sie folgt auf Hans-Georg Beyer, der bereits im Mai zum Chief Credit Risk Officer gewechselt war.

Solche Personalentscheidungen wirken kurzfristig nicht kursrelevant, spielen aber eine Rolle für die Integrationsfähigkeit der Bank, sollte die Übernahme durch UniCredit tatsächlich vollzogen werden.

Für Anleger bleibt die zentrale Frage, wie schnell aus den laufenden Gesprächen zwischen Orlopp und Orcel ein konkretes Umsetzungsszenario wird – und ob der Bund seinen Anteil tatsächlich zeitnah abgibt. Beides zusammen dürfte in den kommenden Wochen den Kursverlauf stärker prägen als die operative Geschäftsentwicklung allein.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 19. August liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Commerzbank